Amazon Games Studio entlässt während E3 dutzende Mitarbeiter

Während die E3 in aller Munde ist hat Amazon Games Studio beschlossen die mediale „Abwesenheit“ zu nutzen um einen personellen Einschnitt vorzunehmnen. Wie viele Mitarbeiter genau entlassen werden oder wurden ist laut dem Kotaku-Bericht nicht offengelegt, jedoch habe ich dazu, wie könnte es auch anders sein, eine komplett eigene Meinung.

Wie einige Leser*innen sicher wissen hatte ich, bevor ich meinen jetzigen Job fand – danke noch einmal dafür! – eine ziemliche Durststrecke. Im Rahmen der damaligen Jobsuche nach interessanten Möglichkeiten gab es auch eine Stelle in der Leitung der europäischen Community bei Amazon Games Studio. Auf diesen Job habe ich mich beworben, hatte ein Vorstellungsgespräch, welches meiner Meinung nach sehr gut verlief, wurde aber nicht genommen.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Reduzierung der Spiele abzusehen und meiner Meinung nach auf gewissen Ebenen bereits entschieden. Natürlich hatte ich mich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet, mich mit der Engine beschäftigt, den aktuellen und angekündigten (und nicht angekündigten) Spielen auseinandergesetzt und in diesem Rahmen „mich verkauft“ – machen wir uns nichts vor, jedes Bewerbungsgespräch ist ein Sales-Pitch von sich selbst.

Schon in der Bewerbung war der Fokus viel weniger auf die eigenen Produkte gelegt worden, sie wurden fast als Nebensächlichkeit behandelt, weswegen ich, weil ich mich eben in die komplett andere Richtung verkauft habe, auch eine Absage bekam. Der Fokus lag auch nicht sehr stark darauf die Engine als solche zu bewerben, sondern eher die Produkte der Entwickler, welche die hauseigene Engine verwenden, zu showcasen.

Das hatte mich natürlich ein wenig irritiert, denn eigentlich stellt sich Amazon Games Studio als Entwicklerstudio dar. Offensichtlich hat man aber bereits seit mindestens Januar daran gearbeitet die Bahnen in ein „Developer-Tools-as-a-Service“-Licht zu rücken.

War ein sehr langes Vorwort für das was jetzt kommt: Amazon Games Studio wusste also schon seit mehreren Monaten das diese Entscheidungen final öffentlich ausgesprochen werden, man hat die Angestellten, die sich teilweise den Arsch aufreißen um ein tolles Spiel zu veröffentlichen, im Unklaren gelassen, ihnen Sicherheit und einen tollen Arbeitsplatz suggeriert. Natürlich müssen die aktuellen Spiele noch ein wenig unterstützt werden, daher wollte man wohl das Abwandern der Belegschaft verhindern, jedenfalls bevor es einem selber in den Kram passt.

Das ist aus Sicht einer Firma natürlich legitim, aber dann ist man eben scheiße und sollte sich nicht versuchen mit einem tollen Arbeitsklima oder Arbeitsbedingungen zu brüsten. Die Angestellten haben nun 60 Tage Zeit. Das kann man als „nett“ empfinden, gerade, wo man normalerweise 2 Monate zum Ende des Kalendermonats erst nach einer Dauer von 5 Jahren im Arbeitsverhältnis hat, ist es aber nicht. Wie gesagt, bereits im Januar wurde ganz klar für eine andere strategische Ausrichtung rekrutiert, es war da bereits in Stein gemeißelt was jetzt, teilweise sehr überraschen, über die Angestellten hereingebrochen ist. Und da wiederhole ich mich: bei so mangelnder Transparenz gegenüber den Angestellten, während Bewerber bereits halb eingeweiht sind, ist einfach scheiße.

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