Baccarat – ein Spiel für Jedermann

Bevor Daniel Craig in die Rolle von Superagent James Bond schlüpfte und seinen Martini am Pokertisch trank, war Baccarat das bevorzugte Spiel von 007, genauer gesagt die klassische Variante „Chemin de Fer“. Den Namen verdankt es dem Kartenschlitten, der wie eine kleine Eisenbahn die Runde macht. Am Baccarat-Tisch fiel denn auch erstmals der legendäre Spruch: „Mein Name ist Bond. James Bond.”

Den Anstrich von Eleganz, den das Kartenspiel einst an den Adelshöfen und später an den Spieltischen der glamourösen Casinos wie Monte Carlo und dank der Bond-Filme gewonnen hat, besitzt Baccarat noch heute. Dabei ist es längst ein Spiel für Jedermann, und man muss weder einen Adelstitel noch ein Vermögen besitzen, um einsteigen zu können. Auf Stil wird allerdings zumindest in den Landcasinos an den Baccarat-Tischen noch immer Wert gelegt – wer in Shorts und T-Shirt oder gar im Pyjama zocken will, kann sich Online amüsieren.

Die Regeln sind einfach zu erlernen.

Zwischen zwölf und vierzehn Spielern sitzen gewöhnlicherweise an einem Tisch, und die Zocker übernehmen unter Aufsicht eines Croupiers abwechselnd die Rolle des Bankhalters und Dealers. Solange der Bankhalter gewinnt, teilt er die Karten aus. Verliert er, ist der nächste Spieler an der Reihe.

Die Spieler können zum Start auf „Spieler“, „Bankhalter“ oder „Unentschieden“ setzen. Beim Austeilen legt der Bankhalter zwei Karten verdeckt unter den Schlitten und gibt zwei weitere verdeckte Karten demjenigen Spieler, der am höchsten auf „Spieler“ gesetzt hat. Der Spieler betrachtet die Karten, gibt sie dem Dealer zurück, der sie genau wie seine eigenen umdreht. Der Croupier verkündet den Kartenwert und entscheidet, ob eine dritte Karte gegeben wird. Die Karten zählen null für Zehnen und Bildkarten, eins für Asse, und Zwei bis Neun behalten ihren Augenwert.

Das Ziel ist es, mit zwei oder drei Karten möglichst neun Punkte zu erreichen. In der Regel wird mit acht Kartendecks gespielt. Ob der Croupier auf eine dritte Karte entscheidet, hängt vom Wert der ersten zwei Karten ab. Die Punktzahl wird von der rechten Stelle entschieden – werden eine Sieben und eine Acht ausgeteilt, ergibt das 15, und weil die linksstehende eins ignoriert wird, macht das im Endeffekt einen Wert von fünf aus.

Haben Spieler oder Bankhalter acht oder neun, bleibt das „stehen“ und es wird keine dritte Karte ausgegeben. Hat der Spieler eine Punktzahl von fünf oder darunter, kommt eine dritte Karte ins Spiel. Bei sechs und sieben „steht“ der Zocker. Hat der Bankhalter fünf oder weniger, bekommt er eine dritte Karte, falls der Spieler bei seinen zwei Karten bleibt. „Steht“ er nicht“, wird anhand einer Tabelle entschieden, ob der Bankhalter eine dritte Karte erhält.

Dabei liegen insgesamt die Gewinnchancen am Besten für den Bankhalter, so dass es sich lohnt, auf ihn zu setzen.

Nur knapp darunter finden sich die Gewinnchancen für den Spieler. Am unwahrscheinlichsten ist ein Unentscheiden, so dass sich Einsätze darauf selten in großem Stil bezahlt machen.

Baccarat gehört zu den Kartenspielen, bei denen im Gegensatz zum zerebralen Poker deutlich mehr vom Glück als vom Geschick des Spielers abhängt.

Kluge Strategien empfehlen sich dennoch. Wie Spieler am Baccarattisch trotz der Millionen Kombinationen bei acht Kartendecks mit Kalkül und Kartenzählen ihr Glück beeinflussen können, hat der amerikanische Mathematik-Professor Edward Thorp bewiesen. Der Universitätsdozent wurde Anfang der 60er Jahre zum Schrecken von Las Vegas, nachdem er mit Hilfe eines Elektronengehirns die Wahrscheinlichkeiten beim Blackjack berechnet hatte. Das von ihm daraufhin entwickelte System bewies er nicht nur selbst an den Casinotischen, er veröffentlichte es auch in Buchform. Plötzlich hatten diejenigen Zocker, die imstande waren, seinen Anleitungen zum Kartenzählen zu folgen, einen unvorhergesehenen Vorteil. Thorp selbst sprengte an einem Abend innerhalb von zwei Stunden gleich zweimal die Bank.

Doch der Professor, dem zwischendurch in den Casinos von Las Vegas Hausverbot erteilt wurde, beschäftigte sich nicht nur mit Blackjack. Er entwickelte auch für Baccarat ein System, mit dem er anhand der abgeworfenen Karten die Wahrscheinlichkeiten berechnen und so die Chancen gerade so viel zu seinen Gunsten beeinflussen konnte, um auch hier als eindeutiger Gewinner vom Tisch zu gehen. In einer Stunde gewann er am Baccarat-Tisch rund tausend Dollar, ehe er erkannt und hinauskomplimentiert wurde. Für soviel Geld mussten die meisten Amerikaner damals drei Monate lang arbeiten.

Thorps Bücher sind weiterhin im Buchhandel, und das Kartenzählen ist ein legaler Hilfstrick, auch wenn die Casinos es noch heute so ungern sehen, wie einst die Pit-Bosse in Las Vegas. Allerdings ist es auch weiterhin kompliziert, sich jede abgeworfene Karte zu merken und die eigene Strategie beim Setzen daran anzupassen.

In Asien ist Baccarat inzwischen das beliebteste Kartenspiel. Gespielt wird um niedrigste Einsätze genauso wie um die schwindelerregenden Summen der High-Roller. Nach deren Ansprüchen nehmen sich James Bonds Einsätze und Gewinne beim Baccarat Chemin de Fe in heutiges Geld umgerechnet fast schon bescheiden aus. In seinem ersten Auftritt in „James Bond jagt Dr No“ geht der Agent mit einem Gewinn von damals 1200 Pfund vom Tisch – heute wären das knapp unter 27.000 Euro.

Die gleiche Summe gewinnt er in „Thunderball“. Den einzigen Verlust macht er 1969 in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, als er 200.000 Franc oder mehr als 260.000 Euro verliert, um der schönen Tracy zu helfen. Als Trost gewinnt er ihr Herz – und umgekehrt. Tracy wird Mrs Bond, bis der Tod sie scheidet. In „GoldenEye“ kassiert Bond wieder ab, mit umgerechnet 109.000 Euro.

1 Kommentar

  1. Baccarat wird mit 8 bis 10 Kartendecks gespielt. Mit dem Kartenzählen dabei langfristig einen Vorteil zu erlangen ist dabei ziemlich unmöglich. Selbst beim Blackjack sinkt die Gewinnchance mit der Anzahl der Kartendecks gegen Null. Die meisten Casinos verwenden aus diesem Grund sogar Mischmaschinen, so dass Kartenzählen wirkungslos ist. Man sollte also genau die Regel und seine Chancen kennen, bevor man sich an einen Baccart oder Blackjack-Tisch setzt. Ansonsten lieber Roulette oder Automaten zocken und den Verlust in Kauf nehmen.

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