Der große Gamescom-Hype: Wem nützt es wirklich?

Gamescom ist neben der E3 das “must have” in der Spieleindustrie, doch geht es hierbei wirklich um den Endverbraucher? Meiner Meinung nach nur in einem sehr geringen Umfang.

Als jemand, welcher nun schon mehrfach dort als Aussteller auf beiden Messen war: Es geht rein ums Prestige und Geschäftsverträge. Die Sichtbarkeit und das Erreichen des Endverbrauchers steht erst an dritter oder vierter Stelle.

Wer nicht zur Spielemesse geht ist nichts

Unter diesem Slogan pilgern jährlich hunderte von Entwickler- und Publisher-Studios in die einzelnen Städte und präsentieren, vorab in einem B2B (Business to Business)-Bereich ihre neuen Produkte der Fachpresse, als auch Geschäftspartnern. Dieser Bereich ist nicht zugänglich, wenn man keinen Ausstellerplatz (B2C = Business to Customer) hat.

Dabei buchen viele Firmen ihre Ausstellerplätze, welche am Ende eher mittelprächtig sind, nur um im B2B-Bereich dabei sein zu können, denn hier heißt es “Meet & Greet”. Hier trifft man sich mit Vertretern der meisten Spiele-Webseiten, Payment-Gateways (Zahldienste), Service-Dienstleister und den Entwicklerstudios.

Auch ich habe sehr viele Anfragen, teilweise aus unerwarteten Ecken, erhalten und habe beschlossen dieses Jahr noch nicht zur Messe zu gehen. “Wir möchten dir folgendes Spiel präsentieren”, “Wir möchten dich gerne einmal persönlich kennen lernen”, “Wir laden zu einer Sause ein” und Partyeinladungen soweit mein Mailpostfach es verkraftete.

Persönlich denke ich schon, dass die Spielemessen für eine Webseite wie Deutsche-MMORPG.de sehr interessant sein kann: Interviews, Previews, Giveaways, mehr Präsenz bei allen Medienvertretern, mehr Pressemeldungen, mehr News, mehr alles. Gerade da ich inzwischen 7 Gaming-Webseiten habe, sind die einzelnen Firmen durchaus daran interessiert auch einen Fuß in die Tür zu bekommen, bessere Werbeverträge zu verhandeln, mehr Abdeckung, mehr Dienstleistung von meiner Seite aus, halt eine Art Symbiose.

Doch was ist mit dem Endverbraucher auf Spielemessen?

Wenn man den ganzen Tag an so einem Stand steht, lächelt, Gespräche führt, die potentiellen Kunden betreut, das geht schon an die Substanz, steht ja außer Frage. Doch was für Publikum erreicht man? Es gibt da verschiedene Gruppen:

  • Die Grabscher
    So nenne ich alle Besucher, welche mit leere Taschen kommen, nur um an jedem Stand irgendwas mitzunehmen, selbst wenn sie es dann gleich wieder in die Tonne treten. Egal ob Kugelschreiber, Poster, T-Shirts, minderwertige Schlüsselanhänger – man könnte es ja irgendwann noch einmal gebrauchen.
  • Die Nerv-Nerds
    So nenne ich alle Besucher, welche nur zur Messe gehen um Spiele stundenlang “Probe zu spielen” und somit stundenlang die Computer blockieren. In der Theorie sind diese Plätze nämlich für alle gedacht und somit auf 10 – 15 Minuten mal anzocken ausgelegt.
  • Die Interessierten
    Diese Gruppe ist wirklich nur wegen der Spiele dort. Sie wollen sehen was neues kommt, evtl. erste Eindrücke sammeln und sich durch die Messe auch ihre Kaufentscheidung erleichtern. Als kleiner Tipp: Dies ist die eigentliche Zielgruppe der Aussteller, erreicht aber meiner Meinung nach nur 3% – 5% aller Besucher.

Warum wird dann so viel Geld in eine Messe investiert?

Weil es heißt “sehen und gesehen werden”. Wer nicht da ist, ist nicht auf dem Schirm und andere Publisher könnten einem eventuell etwas wegenhmen. Die Preise sind teilweise so hoch, dass man sich wirklich nur an den Kopf fassen kann.

Ausstellerplätze kosten meines Wissens nach bis zu 500.000,00 EUR (mal extra so lang ausgeschrieben) und hier setzt genau meine Überlegung an!

Könnte man dieses Geld nicht anders investieren?

Klar könnte man das! Wir reden hier von ungefähr 11 Angestellten bei einem Durchschnittsgehalt von 1.600,00 EUR Brutto (inkl. der Arbeitgeberbelastung durch Krankenkassen etc.) für 12 Monate. Ob das nun Supporter, Übersetzer, Community Manager oder einfach nur die Putzfrau ist, die gelegentlich über die Kabel stolpert: Das ist einfach eine große Summe.

Wenn man sich dann teilweise die Qualität der Spiele anschaut, fragt man sich eigentlich nur warum dieses Geld nicht in Personal investiert wird um die Dienstleistung und/oder Qualität des Produktes zu steigern? Wie ich bereits im Artikel Grafik vs. Story: Was macht ein Spiel interessant? über verschiedene Sachen hergeflamed habe: Es wird einfach zu viel Schlechtes und zu wenig Gutes veröffentlicht und dann trauen sich einige Firmen echt auf Messen, geben mega das Budget aus und präsentieren manchmal echt qualitativ unterirdische Ergebnisse.

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