EVE Online: Das vorprogrammierte Chaos von Versprechungen

EVE Online Astrahus Citadel
EVE Online Astrahus Citadel

Was ich mit meinen über 12 Jahren Erfahrung in der Gamingbranche relativ am Anfang gelernt habe, scheint CCP, den Entwicklern von EVE Online, noch nicht bekannt zu sein: Niemals etwas versprechen. Der Shitstorm ist fast immer vorprogrammiert, vor allem, wenn man seine Versprechungen nicht einhält.

Am 27. April 2016 hat CCP das Update „Citadels“ in EVE Online reingepatcht. Mit diesem kostenlosen DLC wurden Spielerstrukturen im Spiel erweitert. Bis zu dem Zeitpunkt gab es nur die POS, sowas wie aufstellbare Raumsatelliten, an denen Module angebracht und somit Funktionen für den Betreiber zur Verfügung gestellt wurden. Mit der Erweiterung hatten Spieler die Möglichkeit nun eigene, komplexe Raumstationen in die virtuelle Spielwelt von EVE Online zu positionieren.

Spieler äußerten immer ihre Sorge über den potentiellen Verlust ihres erspielten Eigentums. In vielen Beiträgen wurden die Sorgen der Community wahrgenommen und es wurde immer kommuniziert das die eigentlichen Spieleritems durch das „Asset-Safety“-System in Sicherheit sind, denn die Stationen sind abschießbar.  Als Loot bekam man nur die Ausrüstung der Station, Treibstoff, Munition und den Loot der Corp (Anmerkung: Die Gilden in EVE Online heißen Corporations), welcher die Station gehörte. Die Zitadellen und das Update wurden relativ lange und großflächig beworben, so dass jeder halbwegs aktive Spieler davon mitbekam.

Doch das alles sollte sich ändern. Am 26. Mai 2020 hat CCP das Update „Forsaken Fortress“ in EVE Online reingepatcht. Dieses Update ändert die Mechanik der Zitadellen und zwar genau an dem Punkt, welcher vorher der Community als unumstößlich verkauft und kommuniziert wurde, das Asset-Safety-System. Ab diesem Termin sind Stationen, welchen der Treibstoff ausgeht, und für 7 Tage nicht betankt werden, besonders in Gefahr. Vorher diesem Update musste man durch 2 Phasen des Angriffs / der Verteidigung, doch nun wechselt die Station nach den benannten Kriterien in den „Abandoned“-Status, wodurch sie direkt in nur einer Phase komplett abgeschossen werden kann. Zusätzlich wird im Abandoned-Status das Asset-Safety ausgesetzt.

Nun bedeutet diese Änderung das auch Spieler, die nicht in der Corp sind, der die Station gehört, ebenfalls aus dem Asset-Safety-System herausfallen. Hier kam es bereits zu einigen sehr lukrativen Raubzügen, wie jener, der, wenn man die Spielzeit in Echtgeld umrechnen würde, 53.000 EUR an Wert einbrachte. Besonders wertvoll war an dem Loot das es sich um Tech 2 Blaupausen für Schiffe und Ausrüstung gehandelt hat. Diese gibt es in der Form nicht mehr im Spiel, gab es aber mal. Somit sind die restlich verbliebenden Blaupausen besonders wertvoll. Inzwischen kann man, wenn man Tech 2 Gegenstände bauen möchte, lediglich Kopien von Tech 1 Blaupausen erforschen und erhält mit Glück eine Tech 2 Kopie. Diese sind begrenzt in der Anzahl der Nutzung, die normalen Blaupausen sind unbegrenzt oft verwendbar und kopierbar.

Nun kann man natürlich sagen: „Joah, nü, was lässt man auch seine wertvollen Sachen auf Stationen, die nicht aktiv betrieben werden, denen der Sprit ausgeht und der dann auch 7 Tage nicht aufgefüllt wird?“. Und ja, das kann man sagen, ohne Probleme.

Man kann aber auch sagen: „Hier wurden Spieler mit Falschaussagen geködert, haben, aus welchen Gründen auch immer, eine Pause eingelegt, und werden bei der Wiederkehr merken das ihr kompletter Besitz verloren ist!“

Bei der Asset-Safety konnte man immerhin seine Spielgegenstände wiedererlangen. Nicht umsonst und auch nicht preiswert, aber man konnte sie sich durch Spielgeld wieder freikaufen, wodurch auch ein gewisser Anteil an virtueller Spielwährung aus dem System gezogen und somit einer Inflation stückweise entgegengewirkt wurde.

Dies ist nur eine der fragwürdigen Entscheidungen, entgegen der Spielerinteressen und entgegen der eigenen Versprechungen, die CCP hier im Laufe der Existenz von EVE Online getroffen hat. Ich erinnere mich zum Beispiel noch als es die Webseite IWantISK.com gab, wo man für virtuelle Spielwährung sogar in Deutschland slots spielen und Punkte ansammeln konnte. Meines Wissens nach wurden hier, bei einem spielerbetriebenen Dienst, niemals die Spieler betrogen, wurde jedoch, aufgrund der AGB von CCP schlussendlich verboten. Auch hier hat CCP wieder gegengesteuert und inzwischen das Hypernet in EVE Online eingeführt, wo man für Items, die man (oder irgendwer, da man sie sich auch für die virtuelle Spielwährung von anderen Spielern kaufen kann) für echtes Geld gekauft haben muss, damit man eine Lotterie um Spielgegenstände veranstalten kann.

Jeder der EVE Online spielt weiß welchen Wert die Tech 2 Blaupausen haben, jeder weiß wie sehr es einem weh tun würde, auf emotionaler Ebene, nur eine davon zu verlieren. Daher habe ich durchaus viel Sympathien für die Spieler, die jetzt alles verlieren und kann eigentlich nur mein Bedauern zum Ausdruck bringen das CCP hier leider eine so einschneidende Entscheidung, entgegen den Versprechungen, getroffen hat.

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