Interview mit Stefan Körner Softwaremissbrauch in Unternehmen

Wir hatten die Möglichkeit ein Interview mit dem Bundesvorsitzenden der Piratenpartei zum Thema Softwaremissbrauch in Unternehmen zu führen.

PIRATEN - BUNDESVORSTEND - STEFAN KOERNER - be-him CC BY NC ND - Sekor 2 - BLOG
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Stefan Recht: Hallo Stefan, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses schriftlich geführte Interview zum Thema Softwaremissbrauch in Unternehmen genommen hast. Für alle, die dich noch nicht kennen, erzähle uns zu Beginn doch einfach einmal kurz, wer du bist, was du so machst und wie du dazu gekommen bist, genau dies zu machen.

Stefan Körner: Gerne doch: Ich bin seit 2009 Mitglied der Piratenpartei Deutschland und im Augenblick ihr Bundesvorsitzender. Zu den PIRATEN bin ich gekommen, weil mir der zunehmende Datenhunger von Konzernen und Staaten und der damit verbundene Verlust an Freiheit für unsere Zukunft Angst gemacht hat.

Stefan Recht: Seit 1994 bist du freiberuflicher Softwareentwickler. Was fällt dir als erstes ein, wenn du an das Thema „Softwaremissbrauch in Unternehmen“ denkst?

Stefan Körner: Wir schreiben immer wieder Software, die auch Mitarbeiterdaten erfasst. Sei es zur Arbeitszeiterfassung, zur Produktionsplanung oder auch zur unternehmensinternen Kommunikation. Und immer ist auch klar: Die dabei gewonnenen Daten lassen sich selbstverständlich auch zur Kontrolle und Disziplinierung der Mitarbeiter nutzen. Wohl den Leuten, in deren Unternehmen ein Betriebsrat ist, der da ein Auge darauf hat.

Stefan Recht: Ich muss gestehen, dass ich natürlich mit einem „roten Faden“ das Interview angefragt hatte. Die Fragen der Leser gingen aber in eine andere Richtung, daher möchte ich mein persönliches Thema einfach nur kurz abhaken. Durch die Protokollierung von Netzwerktraffic und dem Einsatz von Keyloggern versuchen einige Geschäftsführer, ihre Angestellten zu überwachen. Wie stehst du zu diesem Thema? Was für Möglichkeiten hat der Arbeitnehmer und ist das überhaupt rechtens?

Stefan Körner: Unternehmen, die dabei erwischt wurden, dass sie ihre Mitarbeiter auf diese Weise überwachen und ausspionieren, haben vor Gericht regelmäßig empfindliche Niederlagen eingefahren. Überwachung von Mitarbeitern ist in der Regel nur dann zulässig, wenn es einen begründeten Verdacht gibt. Und auch dann sind dem Kontrollverlangen enge Grenzen gesetzt.

Stefan Recht: Am 22. Juli 2016 hat das deutsche Unternehmen Bitmanagement Software GmbH die US-Navy wegen Softwarepiraterie in 558.466 Fällen mit einem Schaden von 600 Millionen Dollar angezeigt. Die Navy gibt dazu kein Statement und der Kläger scheint meiner Auffassung nach durchaus im Recht zu sein. In einer globalisierten Welt glaube ich nicht an Firewalls. Wie sollte man also mit diesem Thema umgehen? Bessere DRM, mehr Vertrauen, bessere Technik?

Stefan Körner: Wir müssen zwischen dem Verhalten der Beteiligten und den rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden: Soweit bekannt, hat die Bitmanagement Software GmbH einen Kopierschutz in der Erwartung eines größeren Vertragsabschlusses deaktiviert. [1] Hier scheint es Versäumnisse bei den Vertragsverhandlungen gegeben zu haben. Dies rechtfertigt selbstverständlich nicht die rechtswidrige Nutzung der Software durch die US Navy, die – sollte sich der Sachverhalt bestätigen – nunmehr durch die Gerichte zu einem rechtlich korrekten Handeln bzw. Schadenersatz angehalten werden wird.

Stefan Recht: Wir haben auf unseren sozialen Netzwerkseiten unsere Leser gefragt, ob sie Fragen an dich zu diesem Thema haben. Natürlich können wir dir hier nicht alle Fragen stellen, daher habe ich einfach einmal die zwei interessantesten Fragen herausgesucht, welche sich mit den unterschiedlichsten Bereichen befassen.

Arne Hillers: Was hältst du von der BSA (Business Software Alliance) bzw. dem Melden von Softwarepiraterie, gerade in Unternehmen?

Stefan Körner: Ich finde es schon etwas fragwürdig, wenn Mitarbeiter von fremden Firmen aufgefordert werden, im Grunde gegen ihren eigenen Arbeitgeber zu schnüffeln. Ich verstehe das Bestreben, die eigenen Gewinne zu maximieren, fühle mich bei der Form allerdings an Blockwarte und andere ähnlich finstere Versuche der Vergangenheit erinnert, Menschen gegeneinander auszuspielen.

Stefan Recht: Als Zusatz: Siehst du Unterschiede bei Firmengrößen? Software kann richtig teuer werden und viele kleinere Start-Up-Unternehmen können sich diese nicht leisten. Wo kein Kläger, da kein Richter, oder empfiehlst du kostenlose Alternativen?

Stefan Körner: Wir PIRATEN sind große Open Source-Fans und glauben an die Möglichkeiten von freier Software. Auch wenn uns bewusst ist, dass es nicht immer eine Alternative zu den kommerziellen Lösungen der großen Anbieter gibt, lohnt sich doch immer die Suche danach.

Stefan Recht: Meinst du, es sollte für Klein- oder Mittelständler mehr monatliche Gebühren-Systeme wie z. B. beim Office 365-Paket von Microsoft anstatt einer einmaligen Lizenzgebühr geben und siehst du aus deiner Sicht irgendeinen Grund, welcher den Softwaremissbrauch von Unternehmen rechtfertigen könnte?

Stefan Körner: Ich glaube nicht, dass es funktioniert, Unternehmen für ihre Produkte bestimmte Preis- und Lizenzmodelle vorzuschreiben.

@realitymare: Kann man Softwareprobleme bzgl. Emissionsmessung und Zinsmanipulation mit Transparenz oder Creative Commons lösen?

Stefan Recht: Als Zusatz: Könnte die Nutzung von Creative Commons zu einem wirtschaftlichen Schaden für den Innovationsstandort Deutschland führen, oder siehst du dies eher als Chance für flächendeckenden Zugang, z. B. zu Fortbildungsmöglichkeiten?

Stefan Körner: Ganz im Gegenteil! Natürlich müssen auch Softwareentwickler für ihre geistige Arbeit entlohnt werden und bedürfen eines Schutzes. Allerdings zeigen die Erfahrungen mit Creative Commons, dass deren korrekte Anwendung diesen Schutz bietet und gleichzeitig eine Weiterentwicklung fremder Werke ermöglicht. Es ist ein Kernanliegen der PIRATEN, die Neujustierung des Urheberrechts im Digitalen Wandel voranzubringen.

Nachweise:
[1] http://www.golem.de/news/copyright-klage-gegen-us-marine-wegen-558-466-mal-softwarepiraterie-1607-122286.html

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