Keine Politik in Spielen? Eine lächerliche Diskussion

Immer wieder kommt die Diskussion auf, dass Spiele keine politischen Themen behandeln sollen. Dabei müsste es eigentlich so lauten: Spiele sollen keine politische Themen behandeln, die einem Spieler gegen den Strich gehen.

Politik hat in Spielen nichts zu suchen? Im Grunde ist das eine lächerliche Forderung. Eine Story, in welcher ein böser Finsterling das Land erobert und die Bevölkerung versklavt ist schon politisch, doch das wird akzeptiert. Eine Story, in welcher ein Großkonzern einen Überwachungsstaat errichtet ist ebenfalls politisch und es wird akzeptiert.

Kommen aber Themen wie Schwulenbewegungen, Unterdrückung von Minderheiten oder die Emanzipation der Frau auf, flippen plötzlich alle aus. Da heißt es dann, dass Politik nichts in Spielen zu suchen hat.

Man pickt sich als Gamer die Themen heraus, die einen selbst betreffen oder die einem gegen den Strich gehen und prangert diese dann an. Es geht nicht darum, dass Politik im Allgemeinen nichts in Spielen zu suchen hat, sondern darum, dass die politischen Themen, die einen im Moment aufregen, aus Spielen rausgehalten werden sollen. Ein Spiel komplett ohne politische Themen wäre wohl superlangweilig.

Wenn Spieler fordern, dass Politik aus Spielen herausgehalten werden sollen, dann meinen sie nur die politischen Themen, die ihnen persönlich gegen den Strich gehen. Klick um zu Tweeten

Man stelle sich Ultima 6 aus dem Jahr 1990 vor. Die Menschheit des Landes Britannia sorgte dafür, dass die Gargoyles ihre Heimat verloren haben und nun schlagen diese zurück. Ist das etwa nicht politisch? Niemand hat sich damals darüber beschwert. In Baldur’s Gate versucht eine Untergrundorganisation die Macht an sich zu reißen und schneidet dabei dem Land die Versorgung zu einem wichtigen Rohstoff ab. Ebenfalls nicht politisch?

Aber taucht eine Transgender-Person in einem Spiel auf oder man muss sich für die Rechte unterdrückter Elfen einsetzen, dann geht die Luzi ab. Deswegen kann ich diese Diskussion überhaupt nicht ernst nehmen. Und ehrliche Spieler würden auch nicht sagen: „Politik hat keinen Platz in Spielen“. Sie würden sagen: „Politische Themen, die mich aufregen, sollen aus Spielen rausgehalten werden.“ Denn es ist ganz einfach etwas Persönliches und nichts anderes.

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