Final Fantasy VIII Mythos: Squalls Tod

    Und wieder einmal geht es um Final Fantasy. Dieses Mal betrifft es den PS1-Titel Final Fantasy VIII mit dem Protagonisten Squall. Der hier aufgeführte Mythos dürfte Final Fantasy-Fans bekannt sein, da er aufgrund seiner Popularität gar eine eigene Webseite vorweisen kann. Große Diskussionen gab es im deutschsprachigen Raum dazu nicht. Dies liegt aber daran, dass der Mythos nicht auf einen Glitch bzw. Bug oder sonst einem möglichen Geheimnis beruht, sondern schlicht und einfach auf eine Theorie, die einige Spieler aufgestellt haben und seitdem im Internet verbreiten. Dabei wird darüber diskutiert, ob der Protagonist – Squall – bereits früh im Spiel gestorben ist und alle restlichen Ereignisse lediglich in seinem Kopf stattfinden, kurz bevor er dann stirbt. Klingt absurd? Es gibt jedoch wirklich einige Ereignisse, die auf diese mögliche Theorie hinweisen.

    Am Ende der Disc 1 (ja, damals musste man noch CD’s wechseln) kämpfen Squall und seine Freunde gegen Edea, welche zum Schluss auch besiegt zu sein scheint. Doch plötzlich kreiert Edea einen Eiszapfen und durchbohrt damit Squall mitten durch die Brust (Video). Squall taumelt zurück und fällt von der Plattform. Er schließt die Augen und stirbt. Der Rest der Geschichte ist lediglich ein Traum oder die Vision vor Squalls Tot, welche in seinem inneren Auge durchlebt wird. So zumindest lautet die Theorie und dafür will man auch Beweise haben.

    So spricht Squall schon vor seinem Tot darüber, wie andere wohl reden werden, wenn er denn mal tot sei. Ob man dann Sätze in Vergangenheitsform mit seinem Namen nutzen wird und ähnliche Aussagen. Er sagt auch, dass der Tot etwas völlig natürliches ist und jeder einmal sterben wird. Dagegen könne man nichts machen, denn so ist der Lauf der Dinge. Als Squall später dann vom Eiszapfen durchbohrt wird und scheinbar stirbt, wacht er wenig später in einer Gefängniszelle in Galbadia auf. Er fragt sich was aus seiner Wunde geworden ist und bemerkt dabei, dass er gar keine Wunde mehr hat. Er wunder sich natürlich wie dies überhaupt möglich ist und ehrlich gesagt wundern wir uns auch. Im gesamte Spiel wird die Wunde nie wieder erwähnt, auch nicht, wie er das völlig unbeschadet überleben konnte.

    Ein weiterer Punkt sind die plötzlich auftauchenden Wesen, die nicht menschlicher Natur sind. Sicherlich gibt es bereits auf Disc 1 Menschen und Monster, aber es gab ansonsten keine Kreaturen, die sich in der Welt von Final Fantasy rumtrieben. Und plötzlich, nach dem Vorfall mit dem Eiszapfen, taucht Moomba vom Schumi-Stamm auf (Video) und ist unser Freund und Helfer. Auch der Balamb Garden hat mit Norg einen eher ungewöhnlich Master, der mehr wie ein gelbes, alienartiges Wesen auschaut. Nach dem Kampf mit Norg wird auch kein weiteres Wort darüber verloren, als wäre es das Normalste der Welt so einen Gegner zu besiegen. Es erfolgt keine Erklärung, keine Konsequenzen, einfach nichts. Die Geschichte geht weiter als wäre Norg nie dagewesen. Als wäre das sogar nicht genug gewesen, erfährt man danach, dass Cid und Edea verheiratet sind. Der einzige wichtige ältere männlich Charakter und der einzig wichtige ältere weibliche Charakter haben eine Vorgeschichte, die sich über Jahrzehnte erstreckt. Natürlich erfährt man das mal so nebenbei, als wäre es total selbstverständlich und unwichtig – eben wie der Kampf mit Norg. Das kommt alles völlig aus der Luft gegriffen und wirkt echt surreal.

    Auch wirkt die Liebesgeschichte zwischen Rinoa und Squall wie ein perfektes Märchen, dabei scheint es auf der ersten Disc noch so, als interessiert sich Rinoa viel mehr für Seifer statt für Squall. Auch beim ersten Tanz der beiden im Spiel sagte sie eindeutig, dass sie einfach nicht alleine auf der Tanzfläche sein will, aber nach jemand anderem Ausschau hält. Nach einem schnellen Tanz lässt sie Squall links liegen und macht sich auf die Suche nach Seifer. Ihr Interesse liegt also anderswo. Auch später im Spiel – z.B. in Timber – fragt Rinoa Squall aus, ob er denn Seifer kenne und ob er da sei. Später im Spiel, aber noch auf der ersten Disc, schwärmt Rinoa weiter von Seifer und erklärt, dass sie nicht sicher sei, ob es ihr Freund war, aber es für sie wohl Liebe war. Auf die Frage Selphies ob sie noch was für ihn empfindet, sagt sie, dass wenn es nicht so wäre, sie wohl nicht mehr darüber reden würde. Und dann kommt Disc Zwei. Hier wird die Beziehung zwischen Rinoa und Seifer nie mehr erwähnt, als hätte sie nie existiert. Lediglich Seifer nutzt sie im Kampf als Stichelei. Rinoa dagegen scheint sich völlig von ihm distanziert zu haben. Seifer ist nun ein Feind der Truppe und das wird nie mehr in Frage gestellt. Rinoa ist also single und damit wieder frei für Squall.

    Zum Ende des Spiel hat Squall in der Kampfsequenz mit Ultimecia oftmals einige Rückblicke, in denen Rinoa öfter auftaucht. Dabei ist ihr Gesicht jedoch völlig verschwommen und wird mit jedem Rückblick immer verschwommener. Dies könnte man damit interpretieren, dass sein Leben langsam zu Ende geht und Squall sich selbst verliert. Er erinnert sich an die Szene in der Ballnacht zurück, kann sich aber nicht an ihr Gesicht erinnern, da sein Leben und seine Kraft schwinden. Zwischen den versuchten Erinnerungen an Rinoa sieht man auch einige andere Rückblicke. So zum Beispiel ein Rückblick an Seifer, welcher zufälligerweise zu der Zeit der Parade war, bei der Squall mit dem Eiszapfen von Edea durchbohrt wurde. Dann wieder einige Rückblicke auf Rinoa, wobei diese nun ebenfalls von der Zeit kurz vor der Parade sind und Rinoas Gesicht immer verschwommener und gruseliger wird. Viele weitere Bilder folgen und so kann man tatsächlich sagen, dass Squalls geistiges Auge nun das eigene Leben vorbeiziehen sieht. Und dann sieht man ein Bild von Squall. Das ist echt verdammt gruselig. Sein Gesicht ist einfach ein schwarzes Nichts.

    Ultimecia sagte am Ende des letzten Kampfes, dass die Zeit vorbeigehen wird, egal wie sehr sich Squall daran festhält. Irgendwie passt das wirklich sehr zu der genannten Theorie, aber ist alles wirklich so passiert? Die Wahrheit ist, wir wissen es nicht. Die Theorie ist wirklich nicht schlecht und kann tatsächlich so gedacht sein. Es ist schon merkwürdig, dass eine Verletzung, die eigentlich bei jedem den Tod bedeuten würde, spurlos verschwunden ist und nie wieder erwähnt wird. Auch die merkwürdigen Rückblicke und die völlig kontextlosen Aussagen vor und nach dem Vorfall mit dem Eiszapfen, welche den Tod als Thema haben, wirken deplatziert und verwirrend. Vielleicht ist Squall also wirklich nach der ersten Disc gestorben und der Rest des Spiels ist eine komplette Illusion, aber vielleicht interpretiert man da auch nur zu viel rein. Die Theorie komplett verwerfen kann man aber sicherlich nicht.