Review Prey: Der kleine Bruder von System Shock

Über das Wochenende habe ich mir das Action-RPG Prey angesehen und eines vorweg: Ich hatte jede Menge Spaß mit dem Titel.

Ich bin mit den Spielen von Looking Glass groß geworden und liebe Ultima Underworld, System Shock und Deus Ex noch heute. Die Freiheiten, die diese Spiele darin boten, wie man in der Geschichte voran kam, ist selbst heute etwas, was viele Spiele nicht hin bekommen. Daher war ich sehr gespannt darauf, was die Arkane Studios mit Prey erschaffen würden. Denn ein Großteil der Belegschaft des Entwicklerstudios besteht aus ehemaligen Looking-Glass-Mitarbeitern.

Bioshock trifft auf System Shock

Prey erinnert stark an eine Mischung aus System Shock und Bioshock. Ihr seid einer der wenigen Überlebenden auf einer Raumstation und bekommt es mit einer außerirdischen Bedrohung zu tun, hinter der doch ein wenig mehr steckt, als man zunächst vermuten würde. Aus der Egosicht erkundet ihr die einzelnen Gebiete der Station und seid völlig frei darin, wie ihr die Quests erledigt. Wollt ihr brachial vorgehen und mit Waffengewalt durchstürmen, dann ist das zwar möglich aber eigentlich aufgrund der Munitionsknappheit nicht ratsam. Schleichen ist ebenfalls eine Option oder ihr nutzt die Umgebung und alles, was ihr findet, um euch Vorteile zu verschaffen. Dazu gehört beispielsweise die Gloo Kanone, die einen Schaum abfeuert, der schnell aushärtet. Mit diesem Schaum lassen sich Feinde kurzzeitig paralysieren oder ihr baut eine Treppe, um zunächst unzugängliche Orte zu erreichen. Außerdem verstopft ihr mit der Kanone brennende Gaslecks und stellt jede Menge Unsinn an.

Überall lauern die gefährlichen Typhon, welche in der Mimic-Form die Fähigkeit haben, sich zu verwandeln. Ist der Stuhl dort wirklich ein Stuhl oder ein Mimic? Hat sich die Tasse auf dem Tisch etwa bewegt? Mimics erkennt ihr nur, wenn ihr genau aufpasst oder, wenn ihr euch ihnen nähert. Dann verwandeln sie sich zurück und greifen an. Besitzt ihr den Psychoskop-Helm, dann verrät euch dieser, ob sich irgendwo ein Mimic versteckt. Diese Verwandlungsfähigkeit könnt auch ihr erlernen. So ist es beispielsweise möglich, als Rolle Klopapier durch Gänge zu huschen und so unbemerkt an Feinden vorbei zu kommen. Je mehr der Alien-Fertigkeiten ihr aber lernt, desto mehr werdet ihr selbst zu einem Außerirdischen, was die Verteidigungsanlagen der Station auf euch aufmerksam macht. Dann sind stationäre Geschütze nicht mehr euer Freund, sondern greifen sofort an.

Guter Mix aus RPG und Action

Die Rollenspiel-Elemente von Prey kommen durch die Neuromods ins Spiel. Diese findet ihr immer wieder in der Station und könnt sie installieren, wodurch ihr Fähigkeiten wie eine höhere Tragkraft, einen besseren Umgang mit Waffen, die Reparatur von Geschützen, Verbesserungen an eurem Anzug, Typhon-Skills, Psi-Kräfte und mehr freischaltet. Anhand eines Skill-Trees bestimmt ihr, wie sich der Charakter entwickelt. Waffen und euer Anzug können verbessert werden, indem ihr entsprechende Kits findet. Oder ihr stellt euch neue Gegenstände selbst her, indem ihr Schrott recycelt und daraus Material für eine Art Replikator gewinnt. So umgeht ihr auch ein wenig die Munitionsknappheit, die ständig herrscht.

Die Story von Prey wird anhand von E-Mails erzählt, die ihr auf Computern findet sowie anhand von Audiologs, welche Leichen bei sich tragen. Außerdem kontaktiert euch immer wieder ein Operator und erzählt euch mehr zu den Geschehnissen auf Talos I und was ihr als nächstes zu tun habt.

Die Atmosphäre von Prey kann absolut überzeugen. Vorsichtig schleicht man durch die Gänge der verlassenen Station. Eine Explosion erschüttert Talos I, dort fällt eine Tasse von einem Tisch. War es nur die Schockwelle oder ist es ein Mimic? Um den nächsten Zielort erreichen zu können, müsst ihr durch die Toiletten, wo euch flackerndes Licht und mysteriöse Schatten einen Schauer über den Rücken jagen. Plötzlich hört ihr ein mysteriöses Geräusch, als würde eine krächzende Stimme mit euch sprechen und hinter der nächsten Biegung lauert ein Phantom und attackiert!

Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Allerdings hat Prey auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Das ist zum einen die unpräzise Steuerung der PS4-Version, die ich gespielt habe. Die Feinde, vor allem die kleinen Mimics, bewegen sich so schnell, dass es einfach schwer ist, diese mit dem Controller zu erfassen. Das führt mitunter zu Frust-Momenten. Außerdem werden euch zwar viele Möglichkeiten geboten, wie ihr eure Ziele erreicht, doch diese treten immer wieder in den Hintergrund. Brachiale Gewalt ist meist nicht nur die erstbeste Lösung, sonder manchmal auch die einzige. Gerade, wenn man einen Raum betritt und hinter der Tür ein Phantom steht. Dies ist schade, denn die großen Vorbilder Ultima Underworld, System Shock und Deus Ex boten hier mehr Möglichkeiten, die einfach in jeder Situation Sinn ergaben und auch offensichtlich gemacht wurden. Dadurch, dass viele Optionen bei Prey einfach in den Hintergrund treten oder nicht klar erkennbar sind, steht der Shooter-Aspekt im Vordergrund und das ist für ein so komplexes Spiel einfach schade. Optisch bietet Prey solide Kost. Keine überwältigend detaillierten Texturen oder Effekte, aber dennoch eine ansehnliche Grafik, welche die Atmosphäre unterstützt. Die Soundkulisse dagegen unterstreicht die bedrohliche Atmosphäre auf ganzer Linie und sorgt für viele Gänsehaut-Momente.

Fazit:

Prey macht Spaß, großen Spaß sogar. Es ist kein perfektes Spiel aber eines, das sich einfach sehr flüssig spielt. Bei dem die RPG-Elemente sich gut einfügen und die Story und vor allem die Atmosphäre überzeugen können. Das Spiel ist recht linear und es ist schade, dass die Optionen jenseits der Actionmethoden etwas in den Hintergrund rücken. Dennoch hat man an diesem Titel für etwa 30 Stunden jede Menge Freude.

Wertung: 8/10

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