Interview

Haltet euch fest: @TheGrinchSquad ist wieder da! [Interview]

Grinch
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In den letzten Jahren hat @TheGrinchSquad im Zeitraum Dezember bis Januar einige Angriffe gegen Spielefirmen verübt. Früher diese Woche beanspruchten sie einen Angriff auf Grand Theft Auto 5. Auch wenn AlleStörungen keine wirklichen Ausfälle zeigt wollten wir ein wenig mehr in Erfahrung bringen, also haben wir @TheGrinchSquad interviewed.

Bundesministerium äußert sich zu Jugendschutz bei Youtube, Twitch und Co.

Wir haben uns mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Verbindung gesetzt, um die Problematik des Jugendschutzes bei Streamingplattformen wie Twitch und Youtube anzusprechen.

Interview mit Stefan Körner Softwaremissbrauch in Unternehmen

PIRATEN - BUNDESVORSTEND - STEFAN KOERNER - be-him CC BY NC ND - Sekor 2 - BLOG
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Stefan Recht: Hallo Stefan, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses schriftlich geführte Interview zum Thema Softwaremissbrauch in Unternehmen genommen hast. Für alle, die dich noch nicht kennen, erzähle uns zu Beginn doch einfach einmal kurz, wer du bist, was du so machst und wie du dazu gekommen bist, genau dies zu machen.

Stefan Körner: Gerne doch: Ich bin seit 2009 Mitglied der Piratenpartei Deutschland und im Augenblick ihr Bundesvorsitzender. Zu den PIRATEN bin ich gekommen, weil mir der zunehmende Datenhunger von Konzernen und Staaten und der damit verbundene Verlust an Freiheit für unsere Zukunft Angst gemacht hat.

Stefan Recht: Seit 1994 bist du freiberuflicher Softwareentwickler. Was fällt dir als erstes ein, wenn du an das Thema „Softwaremissbrauch in Unternehmen“ denkst?

Stefan Körner: Wir schreiben immer wieder Software, die auch Mitarbeiterdaten erfasst. Sei es zur Arbeitszeiterfassung, zur Produktionsplanung oder auch zur unternehmensinternen Kommunikation. Und immer ist auch klar: Die dabei gewonnenen Daten lassen sich selbstverständlich auch zur Kontrolle und Disziplinierung der Mitarbeiter nutzen. Wohl den Leuten, in deren Unternehmen ein Betriebsrat ist, der da ein Auge darauf hat.

Stefan Recht: Ich muss gestehen, dass ich natürlich mit einem „roten Faden“ das Interview angefragt hatte. Die Fragen der Leser gingen aber in eine andere Richtung, daher möchte ich mein persönliches Thema einfach nur kurz abhaken. Durch die Protokollierung von Netzwerktraffic und dem Einsatz von Keyloggern versuchen einige Geschäftsführer, ihre Angestellten zu überwachen. Wie stehst du zu diesem Thema? Was für Möglichkeiten hat der Arbeitnehmer und ist das überhaupt rechtens?

Stefan Körner: Unternehmen, die dabei erwischt wurden, dass sie ihre Mitarbeiter auf diese Weise überwachen und ausspionieren, haben vor Gericht regelmäßig empfindliche Niederlagen eingefahren. Überwachung von Mitarbeitern ist in der Regel nur dann zulässig, wenn es einen begründeten Verdacht gibt. Und auch dann sind dem Kontrollverlangen enge Grenzen gesetzt.

Stefan Recht: Am 22. Juli 2016 hat das deutsche Unternehmen Bitmanagement Software GmbH die US-Navy wegen Softwarepiraterie in 558.466 Fällen mit einem Schaden von 600 Millionen Dollar angezeigt. Die Navy gibt dazu kein Statement und der Kläger scheint meiner Auffassung nach durchaus im Recht zu sein. In einer globalisierten Welt glaube ich nicht an Firewalls. Wie sollte man also mit diesem Thema umgehen? Bessere DRM, mehr Vertrauen, bessere Technik?

Stefan Körner: Wir müssen zwischen dem Verhalten der Beteiligten und den rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden: Soweit bekannt, hat die Bitmanagement Software GmbH einen Kopierschutz in der Erwartung eines größeren Vertragsabschlusses deaktiviert. [1] Hier scheint es Versäumnisse bei den Vertragsverhandlungen gegeben zu haben. Dies rechtfertigt selbstverständlich nicht die rechtswidrige Nutzung der Software durch die US Navy, die – sollte sich der Sachverhalt bestätigen – nunmehr durch die Gerichte zu einem rechtlich korrekten Handeln bzw. Schadenersatz angehalten werden wird.

Stefan Recht: Wir haben auf unseren sozialen Netzwerkseiten unsere Leser gefragt, ob sie Fragen an dich zu diesem Thema haben. Natürlich können wir dir hier nicht alle Fragen stellen, daher habe ich einfach einmal die zwei interessantesten Fragen herausgesucht, welche sich mit den unterschiedlichsten Bereichen befassen.

Arne Hillers: Was hältst du von der BSA (Business Software Alliance) bzw. dem Melden von Softwarepiraterie, gerade in Unternehmen?

Stefan Körner: Ich finde es schon etwas fragwürdig, wenn Mitarbeiter von fremden Firmen aufgefordert werden, im Grunde gegen ihren eigenen Arbeitgeber zu schnüffeln. Ich verstehe das Bestreben, die eigenen Gewinne zu maximieren, fühle mich bei der Form allerdings an Blockwarte und andere ähnlich finstere Versuche der Vergangenheit erinnert, Menschen gegeneinander auszuspielen.

Stefan Recht: Als Zusatz: Siehst du Unterschiede bei Firmengrößen? Software kann richtig teuer werden und viele kleinere Start-Up-Unternehmen können sich diese nicht leisten. Wo kein Kläger, da kein Richter, oder empfiehlst du kostenlose Alternativen?

Stefan Körner: Wir PIRATEN sind große Open Source-Fans und glauben an die Möglichkeiten von freier Software. Auch wenn uns bewusst ist, dass es nicht immer eine Alternative zu den kommerziellen Lösungen der großen Anbieter gibt, lohnt sich doch immer die Suche danach.

Stefan Recht: Meinst du, es sollte für Klein- oder Mittelständler mehr monatliche Gebühren-Systeme wie z. B. beim Office 365-Paket von Microsoft anstatt einer einmaligen Lizenzgebühr geben und siehst du aus deiner Sicht irgendeinen Grund, welcher den Softwaremissbrauch von Unternehmen rechtfertigen könnte?

Stefan Körner: Ich glaube nicht, dass es funktioniert, Unternehmen für ihre Produkte bestimmte Preis- und Lizenzmodelle vorzuschreiben.

@realitymare: Kann man Softwareprobleme bzgl. Emissionsmessung und Zinsmanipulation mit Transparenz oder Creative Commons lösen?

Stefan Recht: Als Zusatz: Könnte die Nutzung von Creative Commons zu einem wirtschaftlichen Schaden für den Innovationsstandort Deutschland führen, oder siehst du dies eher als Chance für flächendeckenden Zugang, z. B. zu Fortbildungsmöglichkeiten?

Stefan Körner: Ganz im Gegenteil! Natürlich müssen auch Softwareentwickler für ihre geistige Arbeit entlohnt werden und bedürfen eines Schutzes. Allerdings zeigen die Erfahrungen mit Creative Commons, dass deren korrekte Anwendung diesen Schutz bietet und gleichzeitig eine Weiterentwicklung fremder Werke ermöglicht. Es ist ein Kernanliegen der PIRATEN, die Neujustierung des Urheberrechts im Digitalen Wandel voranzubringen.

Nachweise:
[1] http://www.golem.de/news/copyright-klage-gegen-us-marine-wegen-558-466-mal-softwarepiraterie-1607-122286.html

Im Interview mit Christian Dürr (FDP)
Thema: Onlineglücksspiel

Christian Dürr
Christian Dürr

Ich hatte die Möglichkeit ein Interview mit Christian Dürr von der FDP, seines Zeichens Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Oldenburg-Land, zum Thema Onlineglücksspiel zu führen.

Stefan: Moin Christian! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview zum Thema Onlineglücksspiel genommen hast! Wir haben in unserer Einstiegs-Kolumne unsere Leser bereits darauf hingewiesen das wir uns ein wenig näher mit dem Thema Onlineglücksspiel befassen möchten. Meinem Verständnis nach ist das ganze Thema in Deutschland, als auch in der EU, eine rechtliche Grauzone, speziell auf Grund der Glücksspiellizenzen aus Gibraltar oder aber auch Isle of Man. Laut dem deutschen Staatsvertrag ist die Veranstaltung öffentlicher Glücksspiele im Internet ja grundsätzlich verboten und somit, meiner Auffassung nach, auch illegal. Wie stehst du persönlich, als auch deine Partei zu dieser Aussage?

Christian: Moin Stefan! Genau das ist die richtige Zusammenfassung der aktuellen, verfahrenen, Situation. Leider handelt es sich beim Thema Glücksspiel um ein absolutes Feinschmeckerthema – sicherlich auch der Komplexität geschuldet. Aber, befasst man sich einmal etwas intensiver damit, kann man nur noch den Kopf schütteln. So geht es mir zumindest und da spreche ich auch für meine Partei. Wer heute online Poker spielt, steht mit einem Fuß bereits im Gefängnis. Das ist irre und absolut nicht zeitgemäß – daher wollen wir das ändern.

Stefan: Glücksspiel kann ja zu einer Sucht werden. Als Anlaufstelle empfehlen wir dort die offizielle Webseite „Spielen mit Verantwortung“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Wie stehst du zu diesem Thema?

Christian: Das Suchtpotential darf man nicht unterschätzen. Aber gerade deshalb ist es ja so wichtig, dass wir endlich auch in ganz Deutschland klare Regeln auf dem Markt schaffen. Damit stärken wir den Verbraucherschutz regulatorisch und könnten Aufklärung und Suchtprävention auf eine solide finanzielle Basis stellen, denn momentan entgehen dem Staat durch die Illegalität des Onlineglücksspiels Steuereinnahmen in Millionenhöhe.

Stefan: Was sind deiner Meinung nach die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Glücksspiel und Onlineglücksspiel?

Christian: Das Onlineglücksspiel zieht vermehrt junge Menschen an, aber nicht nur. Beim Onlineglücksspiel liegt für eine breite Masse der Gesellschaft die Hemmschwelle deutlich niedriger als beim Gang in ein abgedunkeltes Glücksspielcasino in einem Gewerbegebiet. Da hat die Branche nach wie vor, sicherlich auch ungerechtfertigt, ein Imageproblem.

Stefan: Laut des Glücksspieländerungsstaatsvertrages von 2012 können sich Personen besser gegen die Gefahren von Glücksspiel mit einer Teilnahmesperre schützen. Dies gilt jedoch ausschließlich für staatliche Spielbanken oder staatlich angebotene Glücksspiele. Siehst du hier eine Notwendigkeit dieses Gesetz auf Onlineglücksspiel auszuweiten und wenn ja, wie könnte ein funktionierendes System zur Teilnahmesperre an Onlineglücksspiel aussehen?

Christian: Wir dürfen nicht vergessen: Ein solches System bedingt die Sammlung und Speicherung von sensiblen Daten in großem Ausmaß. Gerade im Onlinebereich wüsste ich nicht, wie man dies im Sinne des Verbrauchers sicher umsetzen könnte. Daher stehe ich einer solchen Gesetzesausweitung sehr skeptisch gegenüber.

Stefan: Bereits 2012 hat der OECD angegeben das jährlich bis zu 57 Milliarden Euro in Deutschland durch Internetglücksspiele gewaschen wird. Sowohl der OECD, als auch die FATF haben bereits 2009 die Möglichkeit zur Geldwäsche offengelegt und dokumentiert. Wie sind deine Pläne, als auch die Pläne deiner Partei, diese nicht erhaltenden Steuereinkünfte in den Staatshaushalt zurückzuführen?

Christian: Nun ja, mit der gesetzlichen Lage, wie wir sie momentan haben, wird dies nicht möglich sein. Es ist allerdings erschreckend, dass die meisten Parteien in unserem Land das anders sehen. Für uns Freie Demokraten ist klar: der bisherige Glücksspielstaatsvertrag mit seiner komplizierten und vor zahlreichen Gerichten gescheiterten Konzessionsvergabe muss durch eine neue Regelung ersetzt werden – eine, die den Glücksspielmarkt an die Realität anpasst und die Onlinespieler aus der Illegalität führt, die die Verbraucher schützt und angemessene Aufklärungsangebote gewährleistet und die natürlich auch für eine angemessene Besteuerung sorgt.

Stefan: Wenn man den Staatshaushalt durch weitere Einkünfte aufstocken könnte, wären dann Onlineglücksspielbanken nicht auch eine Idee für die Bundesregierung damit eben die geltenden Gesetze in Deutschland eingehalten werden?

Christian: Ich bin der Meinung, dass der Staat bereits über genügend Einnahmen verfügt – zumal, wenn wir das Onlineglücksspiel legalisieren. Darüber hinaus stelle ich mir die Frage, warum der Staat als Unternehmer agieren sollte, wenn es bereits genügend private Anbieter gibt. Das verzerrt nur den Wettbewerb und schadet am Ende dem Verbraucher.

Stefan: Wenn es eine staatliche Onlineglücksspielbank geben würde, wäre es eine Option andere, nichtdeutsche Onlinespielbanken in Deutschland zum Schutz des Verbrauchers zu sperren oder wird hier mit der Unschuldsvermutung argumentiert, was ja in einigen, wenn auch europäischen, Ländern durchaus schwerer nachzuweisen sein könnte?

Christian: Nein, Konkurrenz belebt das Geschäft. Das gilt auch für ausländische Anbieter im Glücksspielsektor. Wenn wir erstmal eine vernünftige und vor allem verlässliche Regulierung des Marktes in Deutschland erreicht haben, wird es auch für private deutsche Anbieter attraktiver, Onlinespielbanken auf den Markt zu bringen.

Stefan: Das Thema Glücksspiel und Onlineglücksspiel ist ja im Allgemeinen eher negativ behaftet. Siehst du in diesem Bereich durchaus auch Chancen und Möglichkeiten für eine positive Entwicklung?

Christian: Klar ist, dass sich natürlich auch in diesem Gewerbe, wie auch in anderen, hin und wieder schwarze Schafe tummeln. Die gesetzlichen Vorgaben, wie etwa die abgedunkelten Scheiben für Spielcasinos, tragen allerdings auch zum negativen Image bei. Ich denke, eine grundsätzliche gesetzliche Neuauflage bei der Regulierung des Glücksspiels würde der gesamten Branche gut tun – auch, weil wir dadurch das Thema endlich mal auf die Agenda bringen. Dazu wäre es allerdings erst einmal nötig, dass alle politischen Akteure die Normalität des Onlineglücksspiels anerkennen.

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