Politik

Bundesministerium äußert sich zu Jugendschutz bei Youtube, Twitch und Co.

Wir haben uns mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Verbindung gesetzt, um die Problematik des Jugendschutzes bei Streamingplattformen wie Twitch und Youtube anzusprechen.

Soll das Internet eine Zone ohne Gesetze sein?

Troll
Troll

Let’s Plays ab 18 frei für alle zugänglich, Drohungen und Beschimpfungen am laufenden Band ohne Konsequenzen. Und Internet-Nutzer befürworten das. Soll das Internet eine Zone ohne Gesetze werden?

Interview mit Alexander Bertram (AfD) zum Thema Chancen des technologischen Wandels

Alexander Bertram
Alexander Bertram

Heute haben wir die Möglichkeit dir ein schriftlich geführtes Interview mit Alexander Bertram von der Alternative für Deutschland zum Thema Chancen des technologischen Wandels zu präsentieren – wir wünschen dir viel Spaß beim Lesen!

Stefan Recht: Hallo und danke, dass du dir die Zeit für dieses schriftlich geführte Interview zum Thema Chancen des technologischen Wandels genommen hast. Stell dich doch einfach mal unseren Lesern vor, was du so machst und wie dein Werdegang bisher war.

Alexander Bertram: Hallo, mein Name ist Alexander Bertram. Ich bin 27 Jahre alt und Bezirks- und Fraktionsvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Außerdem bin ich stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Alternative (JA), der Jugendorganisation der AfD.

Stefan Recht: In den letzten Jahren machen wir immer größere Sprünge im Bereich der virtuellen Realität. Diese Technologie, welche sich meiner Meinung nach noch in den Kinderschuhen befindet, wird aktuell noch hauptsächlich auf den Unterhaltungssektor geprägt. Welche Möglichkeiten und Einsatzbereiche siehst du für diese Technologie in naher, als auch ferner Zukunft?

Alexander Bertram: Virtueller Realität wird schon seit langem vielfältig eingesetzt. Besonders bei der Ausbildung von technischem Personal, bei Piloten, oder auch im medizinischen Bereich kommt sie ja bereits seit vielen Jahren zum Einsatz. Im Bereich der Unterhaltung wurden in letzter Zeit viele Fortschritte gemacht. Zwar gibt es VR auch hier schon etwas länger, aber die Technik war bislang entweder noch zu teuer für den Normalverbraucher oder einfach noch nicht wirklich ausgereift. Hier haben Technologien, wie etwa Oculus Rift Meilensteine gesetzt. Besonders im Gaming-Bereich wird VR in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen. Spekulationen darüber, was in fernerer Zukunft noch alles möglich ist, würde ich für den Moment mal der Science Fiction überlassen. Denkbar ist vieles.

Stefan Recht: In letzter Zeit haben sich immer mehr DDoS-Angriffe mit IoT-Technologie („Internet-of-Things) gehäuft. Erst kürzlich hat die US-Regierung eine Sicherheitsstrategie veröffentlicht.[1] Wie stehst du und deine Partei zu diesem Thema?

Alexander Bertram: Die immer stärkere Vernetzung des alltäglichen Lebens und eben auch unserer Gebrauchsgegenstände ist eine Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist. Und sie bringt ja auch viele Vorteile mit sich. Aber eben auch gewisse Herausforderungen. Zum einen an den Verbraucher, zum anderen aber auch an die Politik. Die Aufgabe der Politik ist es, einen klaren rechtlichen Rahmen zu schaffen, zum Beispiel im Datenschutzrecht. Der Gesetzgeber muss darauf achten mit der Entwicklung Schritt zu halten und das Entstehen von Gesetzeslücken und Schlupflöchern vermeiden. Verstöße und kriminelle Handlungen müssen, wie in der analogen Welt auch, konsequent verfolgt und geahndet werden. Auch Empfehlungen, wie die des amerikanischen Heimatschutzministeriums an Wirtschaft und Verbraucher können sinnvoll sein.

Letztlich kommt es aber immer auf Eigenverantwortung und den gesunden Menschenverstand an. Wenn ich mich einer neuen Technologie bediene, habe ich auch die Verantwortung mich über die Risiken schlau zu machen. Wenn mir diese Risiken zu groß und zu unübersichtlich erscheinen, steht es mir auch frei meinen Kühlschrank, meine Uhr oder mein Fahrrad ganz altmodisch im Offlinemodus zu benutzen.

Stefan Recht: Welche Risiken und Herausforderungen siehst du in der stetig wachsenden Digitalisierung für unsere Gesellschaft, als auch für den Arbeitsmarkt? Wie wird sich dieser, deiner Meinung nach, verändern?

Alexander Bertram: Die Digitalisierung ist nichts, was von heute auf morgen passiert, sondern ein andauernder Prozess. Das betrifft den Arbeitsmarkt, wie auch die Gesellschaft als Ganzes. Und wie immer in Zeiten von Umbruch und Wandel, gibt es auch heute diejenigen, die durch Missbrauch von Gesetzeslücken zum Schaden anderer ihren Profit schlagen wollen. Ein wichtiger Punkt ist dabei, wie schon gesagt, der Datenschutz, der von vielen noch immer zu sehr vernachlässigt wird. Staat und Gesellschaft müssen diesen und anderen Herausforderungen begegnen. Sich auf Dauer davor zu verschließen ist nicht möglich. Deshalb werden sich die Menschen mittelfristig an die neuen Gegebenheiten anpassen. Der sicherheitsbewusste Umgang mit den eigenen Accounts wird für viele irgendwann so selbstverständlich sein, wie das Abschließen der Wohnungstür beim Verlassen des Hauses.

Stefan Recht: Um in Zukunft nicht zu den verspäteten Digitalisierungsgewinnern zu gehören wird aus verschiedenen Bereichen gefordert die Digitalisierung bereits in Schulen starten zu lassen. Die Budgets für Schulen sind teilweise aber sehr begrenzt und oft sind vor Ort noch technische Geräte aus den 90er-Jahren vorhanden. Wie soll dies behoben werden und von welchem Geld?

Alexander Bertram: Das Geld ist prinzipiell vorhanden. Man muss sich nur anschauen, wo der deutsche Staat Milliarden ausgibt, ohne mit der Wimper zu zucken. Viel entscheidender sind politischer Wille und eine vernünftige Strategie. Eine zeitgemäße technische Ausstattung ist wichtig, es braucht aber auch ein Lehrpersonal, das in der Lage ist die Inhalte kompetent zu vermitteln. Informatik als Lehramtsstudium ist noch verhältnismäßig jung. Demnach gibt es noch zu wenig Lehrer in diesem Bereich. Da in puncto Digitalisierung die Schüler oft den Lehrern voraus sind, sehe ich besonders hier noch erheblichen Nachholbedarf in den Schulbehörden. Auch ein Lehrplan müsste flexibel angepasst und immer auf der Höhe der Zeit sein. Ob das momentan verantwortungsvoll gewährleistet werden kann, halte ich für fraglich.

Was die digitale Schule angeht, glaube ich, ist es auch weniger eine Frage des Geldes, als eine des Willens zur Umsetzung. Lehrmaterialien zum Beispiel in einer App über Smartphone und Tablet zur Verfügung zu stellen, kostet wenig Geld, erfordert aber die Bereitschaft und das nötige Know-how auf Seiten der Schule.

Stefan Recht: Die Forschung hat ja bereits herausgefunden das sich Computer- und Videospiele durch Spiegelneuronen auf den Menschen auswirken können.[2] Neueste Studien zeigen auch auf, dass die übermäßige Nutzung eines Mobiltelefons oder Tablets auch negative Auswirkungen auf Kinder haben können.[3] Welche Sicherheitsmaßnahmen kannst du dir hier vorstellen?

Alexander Bertram: „Übermäßige Nutzung“ ist das richtige Stichwort. Ich glaube, dass auch hier das alte Sprichwort von Paracelsus – alle Dinge sind Gift, es kommt auf die Dosis an – wieder einmal zutreffend ist. Früher war es der schädliche Einfluss des Fernsehens, dann sogenannte Killerspiele und heute sind es Smartphones, Tablets und ganz allgemein das schlimme Internet. Und ganz falsch war und ist das ja auch nicht. Grundsätzlich müssen hier die Eltern einen vernünftigen Mittelweg finden und das Konsumverhalten ihrer Kinder kontrollieren. Eine verantwortungsbewusste Erziehung durch die Eltern, ist glaube ich immer noch die beste Sicherheitsmaßname im Umgang mit neuen Technologien.

Stefan Recht: Jetzt aber genug Schwarzmalerei. Welche großen Chancen und Möglichkeiten siehst du in dieser Technologie? Wird es bald die digitale Universität geben? Und auf welche Bereiche glaubst du wird diese Technologie die größte Auswirkung haben?

Alexander Bertram: Bei jedem technologischen Fortschritt gibt es zwei Seiten, Risiken und Chancen. Zunehmende Vernetzung und Digitalisierung bieten viele Möglichkeiten. Schnellere Informationsgewinnung und –verbreitung können es Menschen und Regionen in der Welt ermöglichen an Wohlstand und Fortschritt teilzuhaben, die bislang davon abgeschnitten waren. Ob im Tourismus, beim Umweltschutz, in der Wissenschaft oder im alltäglichen Leben, schon heute erleben und genießen wir diese Vorteile in vielen Bereichen. So lange wir uns immer auch einen kritischen Blick und ein Bewusstsein für den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Daten bewahren, sind den Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt.

Stefan Recht: Wir haben die USK und FSK, also Einrichtungen zur Selbstkontrolle von Spielen und Filmen. Kann man davon ausgehen, dass es eine dritte Einrichtung zur Selbstkontrolle der virtuellen Realität geben wird oder wird man versuchen die Kontrolle auf alle zuständigen Bereiche und Ministerien dezentral zu verteilen?

Alexander Bertram: Ich glaube die Schaffung zusätzlicher Bürokratie ist in den seltensten Fällen wirklich von Vorteil. Das System der Selbstkontrolle hat sich bislang bewährt. Warum nicht auch weiterhin? Ob diese dann im Fall der virtuellen Realität in dem Bereich der USK oder einer gesonderten Institution liegt, halte ich für zweitrangig.

Stefan Recht: Neben Medizin und Unterhaltung versucht auch der Tourismus die Digitalisierung für sich zu nutzen. Momentan handelt es sich bei dieser Technologie ausschließlich um ein visuelles Erlebnis. Meinst du das weitere Sinne hinzukommen und wir am Ende vielleicht sogar jeder unser kleines, virtuelles Holodeck besitzen werden?

Alexander Bertram: Experimentell wird ja bereits an so etwas gearbeitet. Also: Warum nicht? Bis zur Marktreife werden wir uns da aber wohl noch etwas gedulden müssen.

Vielen Dank das du dir die Zeit für dieses schriftlich geführte Interview zum Thema Chancen des technologischen Wandels genommen hast!


[1] https://www.heise.de/security/meldung/Internet-of-Things-US-Regierung-veroeffentlicht-Security-Strategie-3488886.html

[2] https://gamezine.de/spiegelneuronen-gewaltbereitschaft-computerspiele-erhoeht.html

[3] http://www.cbc.ca/news/canada/edmonton/over-use-of-ipads-iphones-and-smart-screens-hurting-kids-1.3221491

Interview mit Uli König (PIRATEN) zum Thema Chancen des technologischen Wandels

Uli König - Die PIRATEN
Uli König - Die PIRATEN

Heute haben wir die Möglichkeit dir ein schriftlich geführtes Interview mit Uli König von der Piratenpartei zum Thema Chancen des technologischen Wandels zu präsentieren – wir wünschen dir viel Spaß beim Lesen!

BMVI überreicht Förderbescheide für schnelles Internet

BMVI überreicht Förderbescheide für schnelles Internet
BMVI überreicht Förderbescheide für schnelles Internet

Die Parlamentarischen Staatssekretäre beim Bundesverkehrsminister, Dorothee Bär, Norbert Barthle und Enak Ferlemann, übergeben am Mittwoch, 09.11.2016 und Donnerstag, 10.11.2016 in Berlin weitere insgesamt 336 Förderbescheide für Mittel aus dem milliardenschweren Bundesprogramm für superschnelles Breitband.

Kommunen und Landkreise mit unterversorgten Gebieten erhalten damit bis zu 50.000 Euro, um Ausbauprojekte für schnelles Internet zu planen und Antragsunterlagen für eine Bundesförderung dieser Projekte zu erstellen. In einem zweiten Schritt vergibt das BMVI bis zu 15 Millionen Euro je Projekt, um die die Umsetzung von Ausbauprojekten zu fördern.

Bundesminister Dobrindt sagt dazu

Das Bundesprogramm für superschnelles Breitband ist ein Riesenerfolg. Die große Nachfrage der Kommunen hält unvermindert an: Täglich erreichen uns neue Förderanträge, die wir schnell und unbürokratisch entscheiden. Wir machen allen Kommunen und Landkreisen ein Angebot, das Bundesprogramm zu nutzen, damit es bis 2018 auf der Landkarte keine weißen Flecken mehr gibt.

Seit Beginn des Bundesprogramms am 18. November 2015 konnten bereits 1.172 Förderanträge für Beratungsleistungen von Kommunen und Landkreisen aus ganz Deutschland positiv beschieden werden.

Mit dem Bundesprogramm erhalten unterversorgte Gebiete einen Netzzugang von mindestens 50 Mbit pro Sekunde. Die Anträge können unter www.breitbandausschreibungen.de eingereicht werden.

Mit dem Bundesprogramm wird der Netzausbau technologieneutral gefördert. Der Fördersatz beträgt 50 bis 70 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Da das Bundesprogramm mit Förderprogrammen der Länder kombinierbar ist, kann der Förderanteil auf bis zu 90 Prozent gesteigert werden. Insgesamt stehen für die Breitbandförderung aus Bundesmitteln 4 Milliarden Euro bereit.

„War On Bullshit“. Politischer Diskurs im postfaktischen Zeitalter

trumpAm 28. September 2015 verkündete Trevor Noah die Fortsetzung des „War On Bullshit“.

Der gerade mal 32-jährige, aus dem südafrikanischen Johannesburg stammende, Comedian übernimmt nach sechzehn Jahren (!) John Stewart dessen Platz hinter dem Schreibtisch der The Daily Show.

Kaum vier Monate zuvor offenbarte sich Donald Trump, aus den güldenen Gefilden seines Rococo-Penthouses in Trump Tower, 725 Fifth Avenue, herabsteigend, auf der berühmten Rolltreppe ebenda, als  Präsidentschaftskandidat für den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Nun sind es noch sechsundzwanzig Tage bis zur Wahl am 8. November und es bleibt nur eine Frage:

Wo ist eigentlich die Lüge hin?

Diese Frage erscheint erst einmal überraschend. Beide Wahlkampflager bezichtigen den jeweils anderen als Lügner („Crooked Hillary“) und beide Seiten haben ihr Päckchen an Unwahrheiten zu tragen. Zweifelsohne. Die US-Medien und soziale Netzwerke fact-checken rund um die Uhr. Und trotzdem: Die Wirkung, wenn eine Lüge als solche entlarvt wird, hält sich oft überraschenderweise in Grenzen. Trump hat nachweislich den Klimawandel bestritten, Position für den Irakkrieg bezogen und ist rassistisch und sexistisch ausfällig geworden. Er bestreitet all das. Die Fact-Checker in Medien und Öffentlichkeit verweisen verzweifelt auf die Fakten, auf die Wahrheit. Und natürlich haben sie Recht.

Aber genau hier liegt das Problem.

Wen interessiert schon die Wahrheit?

Fakten sind obsolet im postfaktischen Zeitalter.

Und vielleicht ohne es zu wissen, hat Trevor Noah mit der Wahl des Begriffs „Bullshit“ ins Schwarze getroffen.

Trump ist kein Lügner, sondern ein „Bullshitter“.

In seinem Essay „On Bullshit“ (2005) zieht der Philosoph Harry Frankfurt die Grenze zwischen „Bullshit“ und Lüge. In einer Anekdote von Fania Pascal besucht der Philosoph Ludwig Wittgenstein seine Kollegin und Freundin, die gerade an den Mandeln operiert worden ist und nun im Krankenbett liegt. Als sie klagt, sie fühle sich wie ein überfahrener Hund, antwortet Wittgenstein angewidert („disgusted“[1]), sie habe ja keine Ahnung, wie sich ein überfahrener Hund fühle („You don´t know what a dog that has been run over feels like“[2]). Pascal sieht nur noch Fragezeichen. Wittgensteins Reaktion ist mehr als nur unangebracht. Sie ist schlicht rätselhaft.

Was in Pascals Aussage ist es, das ihn so aufregt? Natürlich weiß Pascal nicht, wie sich ein überfahrender Hund fühlt. Aber lügt sie deshalb? Regt Wittgenstein sich vielleicht über die Aussage auf, weil er sie für eine Lüge hält? Aber wenn das eine Lüge wäre, wären alle Metaphern und Vergleiche, die wir im Alltag von uns geben, Lügen. Das ergibt kaum Sinn. Wir würden nur dann sagen, Pascal lüge, wenn sie etwa behauptet, sie fühle sich wie ein überfahrener Hund, obwohl sie sich eigentlich topfit fühlt. Wittgenstein wirft ihr also nicht vor, dass sie lüge.

Was aber dann?

Das Problem ist der Anteil an „Bullshit“ in Pascals Aussage. Anstatt den von ihr erlebten Zustand schlicht  mit „mir geht es schlecht“ zu beschreiben (und dann auszuholen), wählt Pascal einen exzessiv spezifischen Vergleichswert („wie ein überfahrener Hund“), der sich um Wahrheitswerte nicht kümmert. Es ist keine Lüge, weil der Wahrheitswert als Maßstab in dieser Aussage schlicht unwirksam ist. Pascal lügt ja nicht, weil sie sich eben irgendwie so schlecht fühlt wie sich ein Hund unter gegebenen Umständen fühlen muss. Das ist keine Lüge.

Der Vergleich ist schlicht „Bullshit“, weil er sich eben nicht bemüht, real zu sein, d.h. sich um Wahrheitswerte zu bemühen: „Her fault is not that she fails to get things right, but that she is not even trying“[3].

Pascals Aussage entzieht sich dem binären System wahr/falsch und damit der Frage nach Wahrheit/Lüge. Weder ist sie davon überzeugt, dass ihre Aussage wahr ist (sie weiß ja, dass sie eben nicht weiß, wie sich der überfahrene Hund fühlt), noch ist sie davon überzeugt, dass sie falsch ist (dann würde sie ja lügen, das gerade tut sie ja aber nicht). In Frankfurts Worten: „It is just this lack of connection to a concern with truth – this indifference to how things really are – that I regard as the essence of bullshit“[4].

Die „Essence of Bullshit“

Damit sind wir abgelöst vom System Wahrheit/Lüge und mitten drin im „Bullshit“. Einziger Referenzpunkt hier: Subjektive Wahrnehmung.

Natürlich ist es gelogen, wenn Donald Trump die Arbeitslosigkeitsrate in den USA regelmäßig mit bis zu 42% beziffert (tatsächlich 5,1%). Aber in einem Diskurs, der die Sphäre des binären Systems Wahrheit/Lüge verlassen hat und in der Umlaufbahn des A-faktischen, des „Bullshits“, schwebt, ist das eben deshalb nicht gelogen, weil der dazugehörige Maßstab schlicht nicht mehr existiert. Als würde man mit einer rein schwarzen Farbpalette einen Baum malen wollen. Wir wissen, dass wir grün brauchen, dass Bäume grün sind und dass das die Wahrheit ist. Ist aber irrelevant. Es gibt halt nur Schwarz.

Im postfaktischen Diskurs geht es also nicht um eine Verneinung der Wahrheit. Es geht nicht darum, dass Fakten, d.h. die Frage nach Wahrheit/Lüge ignoriert werden. Natürlich werden sie das. Genauso wie Pascal weiß, dass sie eben nicht weiß, wie sich der überfahrene Hund fühlt.

Es geht darum, dass die binäre Codierung Wahrheit/Lüge auf Faktenbasis nicht mehr die moralisch maßgebliche ist.

Der Referenzpunkt dafür, ob etwas wahr oder falsch ist, ist einzig und allein das subjektive Empfinden.

Genau das steht hinter Aussagen wie der von Georg Pazderski, Mitglied des Bundesvorstands der AfD: „Es geht nicht nur um die reine Statistik, sondern es geht da drum, wie das der Bürger empfindet. Das heißt also das, was man fühlt, ist auch Realität[5]“. Genau deswegen bleibt Trumps magische 42%-Arbeitslosenmarke weiter wirksam, auch wenn sämtliche Fact-Checker sie wieder und wieder öffentlich zerlegen: Weil das subjektive Empfinden bestimmter Bevölkerungstruppen u.a. durch Trump genau in diese Richtung gelenkt wird.

Ängste, die sich unabhängig von Fakten gebildet haben, können durch Fakten nicht zerstreut werden.

Die Wahrheit ist kein wirksamer Referenzpunkt mehr. Es ist egal, wie die Realität wirklich ist, weil nur unsere subjektive Wahrnehmung eine Realität bildet, die relevant ist.

Emotion als Realität

Genau deshalb hilft all das fact-checken nicht. Fakten sind nur dann relevant, wenn sie als Maßstab anerkannt werden, ob etwas wahr oder falsch ist. Im postfaktischen Diskurs geht es aber gar nicht mehr um die Frage nach wahr oder falsch. Es geht darum wie wir uns fühlen, unabhängig davon, ob wir das aus gerechtfertigten Gründen tun. Ungefähr so, als würden wir das kleine Kind beruhigen, dass es keine Angst vor dem Monster unter dem Bett zu haben braucht, weil unter dem Bett kein Monster ist. So richtig hilft das manchmal nicht. Da helfen auch die Fakten nichts. Weil das Monster unter dem Bett in der Realität des Kindes eben unter dem Bett bleibt, so sehr wir es auch daraus hervorholen. Das ist in Ordnung. Das ist normal. Für ein Kind. Im postfaktischen Diskurs scheint dieses infantile Merkmal im Umgang mit Fakten auf ganze Bevölkerungsteile übergesprungen zu sein.

Am Ende wünscht man sie sich beinahe zurück, die gute, alte Lüge. Die, sobald entlarvt, als valides Argument gilt, sich von bestimmten Meinungen zu verabschieden und anderen zu folgen. Aber der „Bullshit“ geht weiter, weil er schlicht deswegen nicht widerlegt werden kann, weil er sich außerhalb der Logiken des Verifizierens/Falsifizierens bewegt. Der Fact-Check ist machtlos gegen „Bullshit“.

Aber wie darauf adäquat reagieren?

Michelle Obama hat mit ihrem Credo „When they go low, we go high“ sicherlich moralisches Oberwasser. Aber letztlich kommt genau darin die Hilflosigkeit zum Ausdruck. Was sie meint ist: Wenn Trump lügt, dann sagen wir umso mehr die Wahrheit. Das Problem ist aber eben genau das: Der Diskurs findet außerhalb der Kategorien Wahrheit/Lüge statt. Michelle Obama fordert also zu einer Reaktion auf, die nur dann funktioniert, wenn beide Seiten inerhalb derselben Logik agieren – Wahrheit/Lüge mit dem Faktischen als Bezugspunkt. Trump handelt aber in der Logik des „Bullshit“. Das ist, als würde ich ein Feuer nicht mit Wasser löschen wollen, sondern mit der rechnerischen Beantwortung der Frage ob Hummeln unter bestimmten Bedingungen tauchen könnten. Schlicht: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun und kann also keine wirksame Antwort darauf geben.

Zurück zur Lüge

Es bleibt zu hoffen, dass der Diskurs, wenn nicht zum Faktischen, dann doch zumindest zur Lüge zurückfindet. Denn: Einen Konsens in einer Gesellschaft zu erreichen, die nicht nur unterschiedliche Voraussetzungen im Bereich des faktischen Wissens hat und daraus subjektiv verschiedene Konsequenzen zieht, ist schon schwer genug. Einen Konsens in einer Gesellschaft zu erreichen, in der das subjektive Empfinden der einzige Referenzpunkt für Realität ist, ist unmöglich.

Das erste wäre in etwa so, als gäbe es in unserer Farbpalette nur Graustufen und man will einen Baum malen. Alle streiten sich, ob jetzt dieses Grau oder jenes Grau dem idealen Baum näher komme. Aber alle sind sich zumindest einig, dass Bäume grün sind. Und verdammt, jetzt haben wir zwar kein Grün, aber doch alle den gleichen Referenzpunkt.

Anders beim zweiten Fall. Auch hier gibt es nur eine Farbpalette mit Graustufen und auch hier soll wieder ein Baum gemalt werden. Nun meint der eine aber, Bäume sind pink mit Bonbons daran. Der andere meint, nein, Bäume sind einfach nur große Katzen und ein dritter ist davon überzeugt, dass es Bäume überhaupt nicht gibt.

Wo wird ein gesellschaftlicher Konsens wohl wahrscheinlicher sein?

 


[1] Frankfurt, Harry (2005): On Bullshit. Princeton UP, S. 6.

[2] ebd. S.6.

[3] ebd. S. 8.

[4] ebd. S. 8.

[5] http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=47572&key=standard_document_62098268 [aufgerufen am 14.10.2016].

Abb. Zeichnung der Autorin nach Haribird Caricatures.

Deutschpflicht im #Neuland: So bekloppt können CDU-Politiker sein

Peter Hauk CDU
Peter Hauk CDU

Eigentlich dachte ich, ich hätte schon viel Schwachsinn erlebt, aber die Forderung vom CDU-Verbraucherschutzministers Peter Hauk aus Baden-Württemberg ist das weltfremdeste was mir seit Jahren unter die Augen gekommen ist.

Jeder würde bei so einer Schlagzeile sofort an das Satire-Magazin Postillon denken, aber, wie das Leben nun einmal so spielt, wird der verrückteste Wahnsinn gelebt und nicht ausgedacht.

Herr Hauk fordert nämlich, das wer in Deutschland lebt, auch gefälligst das Internet in deutscher Sprache zu verwenden hat. Eigentlich lohnt es sich fast gar nicht darüber aufzuregen, wenn nicht die Chance bestünde das mindestens eine handvoll Leute genau das so sieht und für gut befindet.

Dann mal zur Gegenfrage Herr Hauk: In der Spielebranche decken viele Unternehmen in Deutschland den kompletten europäischen Markt ab. Ein Franzose, der in Deutschland lebt, für ein deutsches Unternehmen arbeitet, der muss dann Support auf Deutsch leisten, die französischen sozialen Netzwerkseiten auf Deutsch aktualisieren? Das jetzt nur ein Beispiel, das könnte man unendlich lange weiterführen!

Oder meint Herr Hauk vielleicht nur eine Deutschpflicht für die schlechten Migranten, also die, die wirklich um ihr Leben laufen und vor Tod und Terror fliehen. Vielleicht wäre ein anderer Ansatz die Webseiten der deutschen Regierung multi-lingual zu gestalten, so dass Personen die kein Deutsch sprechen auch die Informationen bekommen die sie brauchen.

Ich hätte noch eine tolle Idee: Eine Internetampel! Jede Webseite muss so anzeigen, dynamisch natürlich, an welche Zielgruppe sich der Inhalt richtet und jeder andere muss ausgeschlossen werden. Natürlich nicht nur mit „Ja ich bin über 18“-Buttons, sondern schön mit Personalausweis, Scan, Post-Ident-Verfahren… das wird dem IT- und Wirtschaftsstandort Deutschland natürlich helfen.

Persönlich behaupte ich dieser Vorschlag richtet sich nicht an Franzosen oder Briten, sondern an Araber und damit finde ich diese Forderung sehr rassistisch. Wenn es dann doch für alle sein sollte, was ist mit den ganzen Anglizismen die inzwischen in unserem Sprachgebrauch vorkommen?

Das ist wieder einmal nur eine Idee um ein wenig Welle und Stimmung zu machen und komplett an der Realität vorbei. Solche Vorschläge sind der Grund warum sich Menschen von der Politik nicht verstanden und vertreten fühlen. Sie Herr Hauk, Sie schmälern mit solchen Forderungen den Wahlerfolg der CDU, aber vielleicht ist das ja auch ihre Absicht.

Bevor man solche Vorschläge bringt, wenn man schon 0 Plan von nix hat, dann sollte man sich doch wenigstens mal 10 Minuten mit einem Berater unterhalten und wenn der Ihnen das dann empfohlen hat, feuern und besseren einstellen.

Dobrindt gibt grünes Licht für Förderung digitaler Geschäftsideen

Dobrindt gibt Kick-Off für mFUND - 100 Millionen Euro für digitale Innovationen
Dobrindt gibt Kick-Off für mFUND - 100 Millionen Euro für digitale Innovationen

Was ist mFUND? Sicherlich haben einige von euch schon mitbekommen, dass Bundesminister Dobrindt bis zum Jahr 2020 etwa 100 Millionen Euro zur Förderung innovativer Geschäftsideen bereitstellen möchte. Der Minister des BMVI beruft sich dabei gezielt auf digitale Ideen, die auf der Mobilität, sowie auf Geo- und Wetterdaten basieren und Innovationen in diesem Bereich präsentieren. Zur Bekanntmachung der Förderung gab es eine Kick-Off Veranstaltung, in der das Projekt offiziell vorgestellt und ab sofort zur Inanspruchnahme eröffnet wurde.

Strenge Bewertung bei den Förderrichtlinien sorgen für Stirnrunzeln

Sicherlich ist die Mobilität eines der größten und wichtigsten Innovationsfelder, die es derzeit in der deutschen Wirtschaft gibt. Vom Schritt zur Mobilität 4.0 ist die Rede, von Aktivität und digitalem Ideenreichtum. Startups, Gründer und Entwickler in diesen Bereichen profitieren vom mFUND Projekt und haben ganz neue Möglichkeiten, ihre Ideen im digitalen Bereich zu realisieren und sich durch die Förderfähigkeit zu etablieren. Was ist allerdings mit den anderen Startups, die nicht in Richtung digitale Innovation gehen und ebenso wichtige Unternehmen gründen, sich aber nicht der Mobilität 4.0 widmen? Diese gehen, wenn man die Förderkriterien Dobrindts liest, leider leer aus.

Positiv zu bewerten ist, dass die sich die Förderung gezielt an kleine Unternehmen und Startups richtet. Weniger positiv ist die Tatsache, dass das Handwerk oder Berufe außerhalb der digitalen Wirtschaft ausgespart werden. Das schnelllebige Zeitalter soll also noch weiter wachsen, noch mehr beschleunigen und in einem großen Sprung auf die Digitalisierung 4.0 zugehen. Dabei wäre es ebenso wichtig, der Entschleunigung, dem Handwerk, der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Anhand der Fördersumme von 100.000 Euro pro Projekt und einer Laufzeit von bis zu einem Jahr bei Vorschlägen und Vorstudien, sowie in der angewandten Forschung und experimentellen Entwicklung mit 3 Millionen Euro und Laufzeiten bis zu 3 Jahren, wird sich der Startup Markt immer mehr in Richtung Digitalisierung wenden und natürlich die Chance nutzen, zu den förderfähigen und ausgewählten Projektentwicklern zu gehören.

Ebenso bietet es sich für Startups an, bei ihren Projekten einen Bezug zum Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur herzustellen. Ist dieser Bezug gegeben, hat der Antrag beste Chancen auf eine Bewilligung und ein Startup die Chance, aus dem vollen Topf des mFUND Projekts zu schöpfen. Die Idee ist gut, dennoch fehlt es leider an einer breiteren Auflösung, in der nicht digital orientierte Startups Chancen hätten.

Sommer-Upgrade für WarnWetter-App vom Deutschen Wetterdienst

Neuer Rekord für die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes: Ein Jahr nach dem Start haben bereits 2,5 Millionen Menschen in Deutschland die App installiert. WarnWetter bringt hochpräzise Wetterdaten und -vorhersagen direkt aufs Smartphone oder Tablet. Die Daten werden alle fünf Minuten aktualisiert. Dank neuer Funktionen liefert die App ab sofort noch mehr interessante Wetterinformationen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt

Mit dem engmaschigen Netz aus Satellitenüberwachung und modernster Sensorik des DWD werden Wetterinfos präzise ermittelt. Jetzt rüsten wir die WarnWetter-App weiter auf und geben der App ein Sommer-Upgrade mit zahlreichen neuen Funktionen: z. B. den UV-Index oder den Blitze-Rada Die neuen Funktionen von WarnWetter sind:

  • Der UV-Index, der die Intensität der Sonneneinstrahlung vorhersagt und damit vor Sonnenbränden schützt (Ortsansicht und flächige Karte).
  • Die Thermische Belastung, die die gefühlte Temperatur vor Ort anzeigt. Dafür werden Wetterparameter wie Luftfeuchtigkeit und Windstärke präzise mit eingerechnet.
  • Der Blitze-Radar, der Blitze in der Umgebung anzeigt und den Unwetterverlauf wiedergibt.

WarnWetter wurde bereits 2015 von Google in der Kategorie „Tablet“ zur besten App gewählt. In den itunes TopAppCharts ist WarnWetter regelmäßig vertreten.

Bauern und Lehrer setzen auf digitale Revolution

Binär Code DIgitalisierung

„Nur wer heute die Trends von morgen setzt, bleibt konkurrenzfähig und sichert Arbeitsplätze“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort. „Als eine der führenden Industrienationen der Welt haben wir in Deutschland den Anspruch, Antreiber der digitalen Revolution zu sein.“

Schlaue Erntehelfer

Die Titelstory zeigt, wie die neue Hightech-Strategie in die Landwirtschaft übersetzt wird. Beim Konzept „Farming 4.0“ sind alle Landmaschinen mit digitalen Sensoren ausgestattet, die bei laufender Fahrt Daten zum Erntestand erfassen und über Mobilfunk an die Fahrer senden. Erhält ein Traktorfahrer zum Beispiel das Signal, dass der Korntank des Mähdreschers vollläuft, macht er sich auf den Weg. Das Getreide wird dann verladen, ohne die Ernte zu unterbrechen. Die Digitalisierung in der Landwirtschaft steigert die Effizienz und macht das Leben gleichzeitig komfortabler.

Das virtuelle Klassenzimmer

Die Digitalisierung hält auch in deutschen Klassenzimmern Einzug. Auf drei nordfriesischen Halligen unterrichtet die Kieler Englischlehrerin Leena Brütt ihre Schülerinnen und Schüler über das Internet. Wie auch in anderen Regionen in Deutschland, sinken die Bevölkerungszahlen auf den Halligen. Das virtuelle Klassenzimmer ist ein Beispiel, wie sich Lebensqualität und Zukunftsaussichten im ländlichen Raum sichern lassen.

Einsatz an Europas Grenzen

Das Heft richtet seinen Blick natürlich auch auf aktuelle Fragen zum Thema Flucht und Integration. Deutsche Polizeibeamte sind beispielsweise in Griechenland im Einsatz, um die Flüchtlingskrise zu bewältigen. Einer von ihnen ist Florian Wany, der auf der Insel Samos mitgeholfen hat, Flüchtlinge zu registrieren und aufzunehmen. Dabei war er mit einem internationalen Team aus mit Einsatzkräften aus allen Teilen der EU unterwegs.

Bekämpfung von Fluchtursachen

Damit Menschen sich gar nicht erst auf eine gefährliche Flucht ins Ausland begeben müssen, fördert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unter anderem die landwirtschaftliche Produktion in Afghanistan. Die Wirtschaftskraft kleiner Betriebe wird gestärkt, die Menschen erhalten eine Zukunftsperspektive im eigenen Land.

Reise nach Berlin zu gewinnen

Auch in dieser „Deutschland aktuell“-Ausgabe gibt es ein Preisrätsel, und mit etwas Glück kann man eine Reise zu zweit nach Berlin zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung Ende August gewinnen. Dazu den Coupon auf der Rückseite des Hefts mit der richtigen Antwort auf eine Postkarte kleben und einsenden. Oder das Lösungswort online übermitteln. Einsendeschluss ist der 25. Juli 2016.

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