Star Wars: Galaxy of Heroes Review

Star Wars trifft Sammelkartenspiel trifft Kämpfe im Stil von Final Fantasy. Klingt gut, es gibt aber ein großes Problem.

Jeder will ein Stück vom „Star Wars“-Kuchen

Wir warten. Nicht auf Weihnachten, nicht auf ein Videospiel, sondern auf diesen einen Film. Dieser Streifen, auf den wir schon seit 2012 hinfiebern, obwohl doch so viel Skepsis dabei mitschwingt. Damals kaufte Disney Lucasfilm und kündigte eine neue „Star Wars“-Trilogie an – und George Lucas, der mit den Prequels viele Fanherzen brach, sollte nicht an der Produktion beteiligt sein. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr Details zu Episode 7 bekannt und Ende 2014 erschien dann endlich der erste Teaser-Trailer – und mit einem Mal waren so gut wie alle Sorgen verflogen. Das Material sah einfach zu gut aus und mit den beiden nachfolgenden Trailern wuchs unsere Vorfreude noch mehr. Der Hype könnte gerade kaum größer sein.

Das machen sich natürlich diverse Unternehmen zu Nutze. Schon jetzt gibt es allerlei Spielzeug zu kaufen und Electronic Arts hat erst kürzlich Star Wars Battlefront für PC und Konsole veröffentlicht – und damit einen Volltreffer gelandet, zumindest in finanzieller Hinsicht (inhaltlich kann man darüber streiten). Doch ein Spiel reicht nicht, da muss noch mehr her. Also bringt uns EA mit Star Wars: Galaxy of Heroes ein Mobilegame, so dass wir auch unterwegs stets von Sturmtruppen, Jedi und Ewoks begleitet werden.

Best of Star Wars

Galaxy of Heroes ist im Grunde ein Spiel im Spiel. Als Szenario dient eine Bar beziehungsweise Spielhalle, in der lauter Hologrammtische stehen – eure Spielfelder. Euer Ziel in dem Mix aus Sammelkarten- und Rollenspiel ist es nämlich, eine Sammlung verschiedener Charaktere des „Star Wars“-Universum zu erlangen und mit ihnen in rundenbasierten Kämpfen zu triumphieren. Das Figurenrepertoire von Star Wars: Galaxy of Heroes kann sich sehen lassen: Neben einfachen Sturmtruppen, Klonkriegern, Ewoks, Javas oder Droiden dürfen natürlich die beliebten Helden und Schurken der Filme nicht fehlen. Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia, Obi-Wan, Darth Vader, Boba Fett, der Imperator – sie alle sind mit von der Partie.

Doch natürlich müsst ihr euch die „Star Wars“-Prominenz erst hart erarbeiten, bevor ihr sie in euer Team aufnehmen könnt. In den meisten Fällen heißt es erst mal, eine ganze Menge Splitter zu sammeln. Für einen Lord Vader sind da schon mal 80 Stück notwendig, damit ihr den Kultbösewicht freischaltet. Die Splitter erhaltet ihr in Star Wars: Galaxy of Heroes mitunter als Belohnung für absolvierte Missionen oder indem ihr Erfolge freischaltet, in erster Linie aber natürlich aus Datenkartenpaketen im Ingame-Shop. Um die zu kaufen, benötigt ihr Kristalle, die ihr unter anderem für erfolgreich bestandene Kämpfe bekommt oder mit echtem Geld kauft. Wer keine Moneten locker machen möchte, kann sich zwar hin und wieder ein Päckchen leisten, doch schon recht schnell wird deutlich, dass Electronic Arts euch regelrecht zur Kasse treiben will. So wie EA das in Free-to-Play-Spielen eben gerne tut.

Simpel und trotzdem knackig

Der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe zieht schon recht früh im Spiel deutlich an. Am Anfang habt ihr lediglich Zugang zur Kampagne der hellen Seite der Macht, da euch die passenden Schurken für das Pendant auf der dunklen Seite fehlen. Auch die anderen Spielmodi, etwa den PvP-Modus namens „Trupp-Arena“, müsst ihr euch erst mal erspielen, indem ihr im Level aufsteigt. Also seid ihr in den ersten Spielstunden auf die Kampagne der Helden beschränkt. Mit insgesamt 345 Missionen fällt die allein schon sehr umfangreich aus. Doch bereits ab dem zweiten Kapitel macht sich Frust breit, weil ihr manchmal das Gefühl vermittelt bekommt, eine Mission nicht ohne weiteres bewältigen zu können: Die Gegner sind zu stark und zu zahlreich und eure Helden überleben nicht lange genug. Zumal jede Mission aus drei Kämpfen besteht und sich eure Heroen zwischen den Auseinandersetzungen nicht heilen und gefallene Kämpfer sich nicht wiederbeleben lassen.

Dabei sind die Scharmützel eigentlich sehr simpel gehalten. Das System erinnert stark an die guten alten „Final Fantasy 7“-Zeiten: Alle Charaktere führen nacheinander ihre Angriffe aus. Während des Gefechts füllen sich nach und nach die Aktionsbalken der Figuren. Ist so einer komplett aufgeladen, darf der jeweilige Held angreifen. Jeder Charakter hat zwei Fähigkeiten: einen normalen Angriff und eine Spezialfähigkeit, die er jedoch nur alle paar Runden einsetzen darf. Chewbacca zum Beispiel entfacht seinen Zorn und provoziert damit alle Gegner für eine Runde, wodurch sie nur den Wookie angreifen, während ein einfacher Jedi-Konsul seine Mitstreiter und sich selbst heilt. Abgesehen also von ein paar Statuseffekten durch Fähigkeiten weisen die Kämpfe in Star Wars: Galaxy of Heroes keinen hohen Komplexitätsgrad auf. Dennoch werden sie im Laufe der Zeit aus genannten Gründen so schwer, dass ihr ohne Training und bessere Ausrüstung für die Charaktere nicht weit kommt.

Nichts ist gratis

Und mit Training meinen wir nicht, dass ihr Star Wars: Galaxy of Heroes üben müsst, sondern dass eure Helden durch die Arbeit mit Übungsdroiden (wie Luke in Episode 4) stärker werden. Die Maschinen erlangt ihr durch erfolgreich absolvierte Missionen oder ihr kauft sie im Bereich „Lieferungen“ mit verdienten Credits – die ihr natürlich auch wieder im Shop mit Kristallen erwerben könnt. Neue Lieferungen gibt es jedoch nur alle paar Stunden. Es sei denn, ihr gebt Kristalle aus, um die Liste zu aktualisieren. Der Trainingsvorgang selbst kostet euch erneut Credits. Ihr merkt schon: So gut wie nichts in Star Wars: Galaxy of Heroes gibt es umsonst. Immer wieder stolpern wir darüber, dass uns irgendeine Währung fehlt, um eine bestimmte Aktion auszuführen. Ach so, hatten wir erwähnt, dass ihr bei Kämpfen Energie verbraucht, die ihr mit Kristallen wieder auffüllen könnt? Oder dass ihr zwischen PvP-Gefechten immer eine Wartezeit bis zum nächsten Scharmützel habt, die sich nur mit Kristallen überspringen lässt?

Ja, Star Wars: Galaxy of Heroes hat einfach zu viele Elemente, die mit den Währungen verbunden sind. Und wenn ihr kein Geld ausgeben wollt, verlangt euch das Spiel eine Menge Zeit ab, um eure Charaktere zu leveln, mit besseren Items auszustatten (gibt es in Datenkartenpaketen, als Belohnungen für Missionen, tägliche Herausforderungen und Erfolge sowie als Lieferungen) und neue Figuren freizuschalten. Klar, EA, ihr wollt mit dem Titel Geld verdienen, aber geht das nicht auch ein bisschen weniger aufdringlich? Müssen wirklich alle Inhalte irgendwelche Limitierungen haben?

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Originalmusik und -Sounds
9
Kampfsystem
8
Monetarisierung
3
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