The Sound of Silence Gaming

Was macht ein Spiel zu einem großartigen Erlebnis? Zuallererst denkt man an die Grafik: Egal, ob möglichst realistisch (2KGames‘ NBA-Reihe) oder stilisiert (Afro Samurai), der visuelle Aspekt ist essentiell für den Gaming-Genuss. Genauso wie die Spielbarkeit, denn Spiele brauchen einen „Flow“. Nur wenn alle Komponenten eines Spiels stimmig ineinandergreifen, funktioniert ein Spiel. Dabei spielt auch der Sound eine wichtige Rolle. Wer schon einmal Dead Space ohne Ton gespielt hat, wird wahrscheinlich ein wesentlich weniger intensives Erlebnis gehabt haben als jemand, der mit solchen Kopfhörern oder bei 5.1-Sound aus der Anlage verängstigt durch die USG Ishimura geschlichen ist.

Der Soundtrack

Laptop mit Kopfhörer
Laptop mit Kopfhörer

Abgesehen von stimmigen Soundeffekten ist die musikalische Untermalung dafür verantwortlich, den Gamer in die Spielwelt zu entführen. Das funktioniert mittels minimalistischen Melodien bei Spieleklassikern wie Tetris und Mario genauso wie mithilfe orchestraler Untermalung bei epischen Weltraumsimulationen und Rollenspielen. Bei Spielen stehen Komponisten und Sounddesigner dabei vor einer Games-spezifischen Herausforderung. Die Musik muss sich aufgrund der Interaktivität von Videospielen, anders als beim Film, dynamisch verändern können und den Aktionen des Spielers anpassen, ohne dass dabei ein tonaler – und damit atmosphärischer – Bruch entsteht. Bereits Monkey Island 2 bot 1991 einen solchen dynamischen Soundtrack, auch das Weltraumepos Freespace 2 (1999) sowie aktuelle Spiele wie Unravel oder The Division bedienen sich dieses Mittels. Wer sich für das Thema interessiert, dem sei die Lektüre dieser Diplomarbeit mit dem Titel Adaptive Musik in Computerspielen ans Herz gelegt. Und wer sich sogar selbst als Komponist versuchen möchte, findet hier ein englischsprachiges Tutorial zum Thema Komposition und Programmierung.

Vom Bildschirm in die Philharmonie

Komplexität hin oder her, die Musikuntermalung von Spielen braucht sich nicht vor den Soundtracks von Hollywood-Blockbustern zu verstecken. Längst zeichnen sich bekannte Komponisten für die orchestrale Untermalung von Games verantwortlich. Der Soundtrack zu COD: Modern Warfare 2 etwa entstammt der Feder von Hans Zimmer (Rain Man, Gladiator, Inception, Interstellar u.a.). Häufig werden Soundtracks auch von professionellen Sinfonieorchestern eingespielt. Dabei kommen Werke – und das Wort ist hierbei angebracht – heraus, die auch ohne das dazugehörige Spiel einen grandiosen Hörgenuss bieten. Projekte wie das über Kickstarter finanzierte Video Games Live oder spielemusikkonzerte.de bringen für Spiele komponierte Musik in die Konzertsäle, was sich durchweg großer Beliebtheit erfreut. Die Zuhörer können dabei genre-übergreifend Klängen aus Spielen wie Mario, Command & Conquer, Gears of War und Need for Speed lauschen. Ein netter Nebeneffekt: Durch solche Angebote wird die Welt der Videospiele auch Menschen nähergebracht, die dem Medium sonst eher skeptisch gegenüberstehen. Fazit: Der Ton macht nicht nur die Musik, sondern auch das Videospiel.

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