Warum ein Betriebsrat im Gaming-Sektor nichts zu suchen hat!

Goodgame Studios
Goodgame Studios

Vorab möchte ich anmerken das ich die Grundidee eines Betriebsrates oder eines Betriebsratsorgans durchaus für sinnig erachte bei Firmen, welche eine bestimmte Größe erreicht hat. Grundsätzlich liegt mein Verständnis von der bestimmten Größe um einiges höher als die gesetzlich vorgeschriebenen, aber das ist ein anderes Thema. Ich beziehe mich in diesem Fall auf die Goodgame-Thematik, welche aktuell einfach relevant ist.

Ich habe keinen Einblick ob die Leute wirklich deswegen entlassen wurden oder ob es nicht vielleicht doch Gründe gab, ist mir persönlich ehrlich gesagt auch irgendwie total egal. Wie ich so etwas sagen kann? Ganz einfach: Ein Betriebsrat hat meiner Meinung nach nichts im Gaming-Sektor zu suchen!

Die Branche lebt überhaupt nur durch ihre Schnelllebigkeit, die Möglichkeit Trends schnell aufzugreifen und verhältnismäßig schnell gefloppte Lizenzen wieder loszuwerden. Es muss Tagesangebote geben, täglich Facebook, täglicher Support, täglich InGame irgendwas angeboten werden und, und, und – und genau diese Flexibilität würde mit einem Betriebsrat im Gaming-Sektor, meiner Meinung nach, erheblich eingeschränkt werden.

Denn schauen wir uns doch einfach mal an wofür so ein Betriebsrat überhaupt so zuständig ist, finden wir recht weit vorne das Alarmwort „Mehrarbeit“. Wenn ich so zurückdenke habe ich bei absolut keiner Firma, wo ich jemals gearbeitet habe, wirklich nach Vertrag gearbeitet, sondern hatte immer Überstunden geleistet. Wer das nicht machen will, der ist nicht mit Herz dabei – sollte natürlich keine tägliche Grundvoraussetzung sein, halt das was nötig ist um richtig zu rocken.

Als nächstes fallen mir die Punkte „Prämiensätze“ und „Zielvereinbarung“ ins Auge, als auch die Festlegung der Arbeits- und Pausenzeiten. Wirklich messbar sind Erfolge oder Kennzahlen in einigen Bereichen sowieso nicht. Der Produktmanager ist bemüht seine CCU im Spiel hochzuhalten, während der Community Manager Support-Anfragen bearbeitet und die CCU im Forum und die Interaktionen auf den sozialen Kanälen steigern will. So wirklich zusammen arbeiten alle Abteilungen sowieso nicht, eher kontraproduktiv weil die Ressourcen alle fehlerhaft zusammenarbeiten.

Abschließend: Wenn es einem irgendwo wirklich nicht mehr gefällt und man ja alles so scheiße findet, dann kündigt man. Habe ich auch schon gemacht und ja, habe dafür auch 3 Monate Sperrzeit in Kauf genommen, weil es meine Entscheidung war – aber anderen mit der eigenen Unzufriedenheit auf den Sack gehen und das Image eines Unternehmens zu schädigen, ob nun berechtigt oder unberechtigt, ist für die Arbeitnehmer, denen es eigentlich gefällt, aber durch eure negative Einstellung herunter gezogen werden, unfair.

3 Kommentare

  1. Könnte man das nicht auch auf andere Branchen übertragen? Im Krankenhaus etwa muss man als Pfleger auch flexibel sein, es können Notfälle reinkommen, Kollegen werden krank. Da steht ein Betriebsrat auch nur im Weg. Denn wenn man einen Kollegen braucht, der schnell einspringen muss, dies aber nicht könnte, weil er sich um ein kleines Kind kümmern muss und deswegen gerade frei hat, dann steht das den betrieblichen Interessen im Weg.
    Genau wie eine Pause. Was, wenn jemand eine Pause machen will und total übermüdet ist aber der Betrieb ihm keine Pause geben will, weil er dringend eingesetzt werden muss? Dann steht die gesetzliche Regelung dem im Weg und wenn der übermüdete Mitarbeiter dann Scheiße baut, dann kann man ihn ja persönlich dafür belangen. Genau dafür ist diese gesetzliche Pausenregelung doch da. Dass man abgesichert ist.
    Auch in einer Bank würde ich sagen, steht ein Betriebsrat dem Betrieb im Weg. Auch hier muss man sehr flexibel arbeiten, gerade, wenn es um Börsenangelegenheiten geht. Da muss man schnell reagieren. Wenn da ein Betriebsrat dazwischenfunkt, weil man einen Mitarbeiter nicht 24 Stunden am Tag arbeiten lassen kann, dann schadet das dem Betrieb.

    Sorry, aber ich glaube, das ist sehr kurzsichtig gedacht. Ein Betriebsrat ist wichtig! Egal, in welcher Branche. Denn wieso sollten Angestellte keine Rechte mehr haben, nur, weil der Betrieb Flexibilität verlangt? Das verlangt jeder Betrieb. Und gerade bei den Personen, die Familien haben und sich vielleicht um kranke Kinder kümmern müssen, wäre es dann so, dass sie der Willkür des Betriebs ausgeliefert wären. Und man kann sich nicht auf das Wohlwollen des Chefs verlassen, der ständig Verständnis zeigt. Denn es geht in jedem Betrieb um eines: Gewinnmaximierung, auch in der Games-Branche. Dann hätte man die Situation, dass nur noch extrem Junge Mitarbeiter eingestellt werden, die man nach Strich und Faden ausnutzen könnte. Denn die wüssten es ja nicht besser, würden den ganzen Tag plus Überstunden für einen Hungerlohn arbeiten und denken, das wäre normal? Das kann es ja nicht sein.
    Was wäre dann das nächste? Dass man Mindestlöhne nicht mehr bezahlen muss, weil das dem Betrieb im Weg steht? Denn wenn man den Mitarbeitern nichts mehr bezahlen müsste, dann könnte man das Geld doch in bessere Spiele investieren…
    Auch, was Arbeitszeiten angeht. Flexibilität schön und gut, nur was, wenn diese Flexibilität nicht mehr mit der Familie vereinbart werden kann, weil man Kinder nicht 24 Stunden in eine Betreuung geben kann oder will? Da braucht es klare Regeln: Man arbeitet von 8 bis 17 Uhr, weil in der Zeit die Kinder betreut werden können. Und das ist auch in der Games-Branche so. Oder darf man in diesem Bereich dann auch keine Kinder mehr in die Welt setzen, weil man dann nicht mehr „flexibel“ ist und der Schnelllebigkeit der Branche im Weg steht?
    Als Arbeitnehmer will ich mit Respekt behandelt werden und ich will abgesichert sein. Ich will nicht der Willkür von Arbeitgebern ausgesetzt sein, die meinen, mit mir machen zu können, was sie wollen und darunter leide dann nicht nur ich, sondern meine Familie. Und genau dafür ist ein Betriebsrat da – in jeder Branche!

    • Dann hätte man die Situation, dass nur noch extrem Junge Mitarbeiter eingestellt werden, die man nach Strich und Faden ausnutzen könnte. Denn die wüssten es ja nicht besser, würden den ganzen Tag plus Überstunden für einen Hungerlohn arbeiten und denken, das wäre normal? Das kann es ja nicht sein.

      Na ja, aber das ist doch die Realität? Selten siehst du ältere Kollegen in der Branche und wenn, dann in der Rechtsabteilung, Finanzabteilung und maximal in der IT. Dann gibt es die Abteilungsleiter und der restliche Großteil wird halt nachrekrutiert. Das ist seit über 10 Jahren schon so, denn wir produzieren für eine gewisse Einkommensschicht die Arbeitnehmer, Fanboys / Fangirls, die das 2 – 3 Jahre aushalten und dann ausgetauscht werden. Da sage ich: Jeder hat die Chance Nein zu sagen und sich eine andere Arbeit zu suchen, wenn dann Kräftemangel wäre, dann würden auch Arbeitsbedingungen angeglichen werden, (#ImJustSayin).

      Auch, was Arbeitszeiten angeht. Flexibilität schön und gut, nur was, wenn diese Flexibilität nicht mehr mit der Familie vereinbart werden kann…

      Na ja, das weiß man ja eigentlich bevor man einen Arbeitsvertrag unterzeichnet und wenn es sich im Laufe der Zeit entwickelt muss man mit der Teamleitung / Personalabteilung sprechen ob man eine Regelung finden kann und wenn sich dort keine Regelung finden lässt hat man 3 Optionen: Damit leben, Sich was anderes suchen, gehen. Jeder muss sich hin und wieder zurückstellen, auch für Familie, dann muss man halt eine Halbtagsstelle annehmen, die dann eben auch nur für Aufgaben eingesetzt werden kann, die dann in keine empfindlichen Bereiche hineinwirkt.

      Das ist alles eine Sache der Organisation und ein potentielles Scheitern der Teamleitung ist nicht zwangsläufig mit einem Betriebsrat zu kompensieren.

      Als Arbeitnehmer will ich mit Respekt behandelt werden…

      Das mag jetzt hart klingen und ich musste das auch erst lernen: Dann arbeite in einer Branche, mit der du dich nicht identifizierst, sondern in der du gut bist. Andernfalls wirst du von der Idiotie herunter gezogen, welche dich teilweise umgibt.

Hinterlasse einen Kommentar