Youtuber gegen Spielepresse: Der Goldfisch in der digitalen Zeit

Nun haben wir bei uns also die Sicht aus dem Bereich Spielepresse und YouTuber veröffentlicht. Nach der Durchsicht der Beiträge empfand ich irgendwie das Bedürfnis auch noch etwas dazu zu schreiben. In der Grundsache stimme ich beiden zu: Viele YouTuber werden vom „Schein-Fame“ übermannt, aber eben nicht alle.

Gerade wenn man die ersten Werbeanfragen erhalten hat fühlt man sich schnell wie ein König, das gilt für YouTuber, als auch für Spiele-Blogs. Bei der klassischen Presse würde ich differenzieren, denn ich glaube klassischer Spielejournalismus wird sich langfristig nicht halten können.

Gelangweilter als ein Goldfisch?

Was man generell berücksichtigen sollte ist die abnehmende Aufmerksamkeitsspanne, welche das jeweilige Publikum hat. Vor 12 Jahren war die gängige Faustregel: 12 Sekunden Aufmerksamkeitsspanne. Eine neue kanadische Studie aus 2015 hat die Auswirkung der Digitalisierung auf das menschliche Gehirn untersucht und dabei kam heraus, dass sich unsere Aufmerksamkeitsspanne massiv reduziert hat.[i]

Inzwischen ist die Aufmerksamkeitsspanne niedriger als die von einem Goldfisch und dieser hat eine Aufmerksamkeitsspanne von 8 Sekunden. Das bedeutet natürlich das Inhalte komplett anders konsumiert werden: bei Videos braucht man Unterhaltung und bei Texten einen roten Faden mit ordentlicher Strukturierung.

Ist die Digitalisierung schlecht für uns?

Ich glaube nicht das die digitale Revolution, auf welche wir momentan zusteuern, etwas Schlechtes ist. Dafür glaube ich aber das eine unkontrollierte Revolution durchaus ihre Gefahren bereit hält.[ii] Es kommt bei Allem immer eben darauf an wie man es verwendet und ob man sich als Anbieter, in diesem Fall der Journalist oder YouTuber, vor kompromittierenden Einflüssen wehren kann oder sich diese zu eigen macht.

Natürlich werden Medien anders konsumiert. Die Verkaufszahlen der deutschen Spielemagazine ist Jahr für Jahr rückläufig, während der Online- und YouTube-Traffic stetig wächst. Man will immer und vor allem überall, komplett unabhängig informiert und aufgeklärt werden, dem steht auch grundsätzlich nichts entgegen.

Unterschied zwischen Zugriff, Korruption und unlauterem Wettbewerb

Was in der grundsätzlichen Diskussion ein wenig vernachlässigt wurde ist gar nicht so sehr wie und in welcher Form die Menschen alte und neue Medien konsumieren, als vielmehr die Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Personen oder Medien. Wie viel Integrität kann eine einzelne Person aufbringen, welche eigentlich nur ihrem Hobby nachgeht und dann Geld dafür angeboten bekommt?

Im Gegenzug halte ich es seit den Gamergate-Enthüllungen[iii] für eine Illusion Journalisten grundsätzlich das saubere Arbeiten zu unterstellen. Es ist immer ein sehr schmaler Pfad zwischen ehrlicher Berichterstattung, zu einem Gefallen bis hin zu bewusstem Lügen. Am Ende waren aber alle mega schockiert das es sowas gibt und dann denke ich mir nur „Bullshit“.

Es war doch schon immer so das man eingeladen wurde und nette Geschenke bekam. Hier ist aber die persönliche Integrität wichtig zwischen einer Privatperson und einem Firmensprecher / Journalisten zu unterscheiden. Ich bin privat auch mit einigen Personen befreundet, welche ich, auf Grund der Sachlage, hier teilweise sehr stark kritisieren musste. Das ist aber auch die Aufgabe eines Mediums, eine gewisse Neutralität zu wahren und die Grenzen nicht verschwimmen zu lassen.


[i] https://advertising.microsoft.com/en/WWDocs/User/display/cl/researchreport/31966/en/microsoft-attention-spans-research-report.pdf
[ii] https://gamezine.de/smartphones-fuer-kinder-und-jugendliche-kontrollverlust-der-eltern.html
[iii] https://en.wikipedia.org/wiki/Gamergate_controversy

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