Web of Un-Trust: Gezielte Abhörung oder schon Spionage?

Die Erweiterung von Web of Trust verkauft gesammelte Nutzerdaten unanonymisiert und begeht damit einen Rechtsbruch. Abhörung oder sogar schon Spionage?

Web of Un-Trust: Gezielte Abhörung oder schon Spionage?
Web of Un-Trust: Gezielte Abhörung oder schon Spionage?

In den letzten 10 Jahren haben immer mehr Addons für die verschiedenen Browser an Fahrt aufgenommen. Deutschland machte im Jahr 2015 bereits mit 19,44 %[i] der Nutzer mit Adblocker-Addon aus. Viele nutzen aber mehrere Addons, kleine Erweiterungen die einem das Leben erleichtern und einen vor Gefahren schützen sollen.

Web of Trust verkauft Nutzungsdaten, Trust am Arsch

Der Anbieter Web of Trust hatte es sich auf die Fahne geschrieben Internetnutzer vor gefährlichen Webseiten zu schützen. Nun hat der NDR[ii] in einer Undercover-Reportage festgestellt das genau dieser Anbieter seine Daten an Dritte, unanonymisiert verkauft.

Die Weitergabe der Daten ist laut Web of Trust AGB zwar benannt, aber ausschließlich im anonymisierten Zustand. Dies ist nun nicht der Fall und hier können sehr sensible Informationen über jeden Nutzer käuflich erworben werden.

So ist laut dem NDR jeder Aufruf einer Webseite mit einer einzigartigen Benutzer-ID verknüpft. Damit lässt sich das gesamte Surfverhalten auf einzelne Personen zurückverfolgen. Davor ist auch niemand geschützt, denn unter den Stichproben befanden sich sowohl Polizisten, Richter, Politiker, als auch Journalisten.

Gezielte Abhörung oder sogar schon Spionage?

Aber nicht nur diese sensiblen personenbezogenen Informationen können käuflich erworben werden, sondern auch Firmengeheimnisse und Firmenkommunikation. Mit den kompletten Daten lassen sich Informationen wie Krankheiten, sexuelle Vorlieben, Drogenkonsum oder eben auch Geschäftsgeheimnisse ganz offen einsehen und rekonstruieren.

Diese Browser-Extension wurde laut Angaben des finnischen Herstellers bis November 2013 bereits 100 Millionen mal installiert und somit in den Browser integriert. Bei den betroffenen Personengruppen, mal ganz vom Otto-Normal-Bürger abgesehen, könnte man schon die Verwendung der Daten als sehr kritisch interpretieren.

Nach deutschen Datenschutzgesetz[iii] müssen aber alle Informationen und Daten anonymisiert werden. Damit befindet sich der Anbieter der Web of Trust-Extension hier in einer herausfordernden Position, denn ein Verstoß gegen Gesetze führt zu Sperrungen in den jeweiligen Ländern und der Zwangsentfernung aus den unterstützen Browsern[iv].


[i]  http://clarityray.com/Content/ClarityRay_AdBlockReport.pdf
[ii]  https://www.tagesschau.de/inland/tracker-online-103.html
[iii]  https://www.bfdi.bund.de/bfdi_wiki/index.php/3_BDSG_Kommentar_Absatz_6
[iv]  https://www.mywot.com/en/faq

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