Ist der deutsche Journalisten-Verband (DJV) ein Eliteclub
Ist der deutsche Journalisten-Verband (DJV) ein Eliteclub

Vor kurzem habe ich mich beim deutschen Journalisten-Verband als Mitglied beworben und wurde leider abgelehnt, jetzt nicht wegen der Qualität meiner Texte, sondern, weil man mich nicht als Journalist einstufen wollte – der Grund: Zu geringes Einkommen aus journalistischer Tätigkeit.

Damit wurde meine Mitgliedsanfrage auf Grund folgendes Auszuges der Aufnahmerichtlinien verwehrt:

Hauptberuflich tätig ist, wer mit seiner journalistischen Tätigkeit den überwiegenden Teil seines Lebensunterhaltes bestreitet.

Doch genau danach kommt folgender Satz:

Im Zweifelsfall auch, wer den überwiegenden Teil seiner Arbeitszeit journalistischer Tätigkeit widmet. Ehrenamtliche journalistische Arbeit reicht nicht aus.

Wir machen natürlich hier keine Hammerumsätze, einfach auch aus dem Grund, weil wir hier ausschließlich die Verwertungsgesellschaft Wort (sowas wie GEZ für Journalisten) verwenden und nur einmal jährlich eine Vergütung erhalten. Auch von dieser Vergütung wird man nicht reich, denn es müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden, wie z.B. eine Mindestleserzahl eines Beitrages.

Natürlich könnten auch laut der Aufnahmerichtlinien Ausnahmen gemacht werden, im speziellen wird hier folgendes hervorgehoben:

Im Einzelfall können sich Abgrenzungsprobleme durch Veränderungen des journalistischen Berufsfeldes ergeben, zum Beispiel infolge der technischen Entwicklung sowie durch die Annäherung verwandter Berufe aus den Bereichen Organisation, Unterhaltung, Technik und Öffentlichkeitsarbeit/Werbung/Marketing.

Der DJV und seine Landesverbände bewerten Zweifelsfälle auf der Grundlage des „Berufsbildes Journalistin/Journalist“, wobei im Einzelfall nicht die jeweilige Berufsbezeichnung, sondern die konkreten Aufgaben und das Maß der eigenschöpferischen Tätigkeit entscheidend sind.

Außerdem werden explizit auch Blogger erwähnt, welche überwiegend journalistisch arbeiten.

Auch auf meine Anfrage via Twitter wurde ausschließlich das Einkommen als Kriterium erwähnt und an der Stelle muss ich sagen wurde ich schon ein wenig sauer, einfach, weil ich es nicht so ganz nachvollziehen kann und man, trotz eingesandter Einkommensnachweise, angeblich nicht ausreichend verdient um davon leben zu können.

Leider wurde auf meine Anfrage keine Untergrenze beim Einkommen ausgesprochen und irgendwie kann oder will mir keiner sagen was ich, laut dem Journalisten-Verband, verdienen muss um Journalist zu sein – mal ganz davon ab, dass das eigentlich schon gegen die Aufnahmerichtlinien spricht.

Ich verstehe auch nicht warum die Verwertungsgesellschaft Wort einen als Journalisten akzeptiert und uns Tantieme auszahlt, aber der deutsche Journalisten-Verband nicht. Vor allem wo der DJV selber eine Fachtagung zum Thema digitalen Journalismus veranstaltet.

Ich habe diesen Artikel jetzt einfach einmal an die Pressestelle des DJV weitergeleitet. Gar nicht um meine Bewerbung jetzt durchzuboxen, ich hätte es halt toll gefunden mich mit Kollegen auszutauschen, mich zu vernetzen und gemeinsam zu wachsen, als vielmehr hier eine Antwort zu erhalten, eine Zahl, an welcher sich potentielle Interessenten richten können, bevor sie überhaupt überlegen sich beim Journalisten-Verband zu bewerben.

Stellungnahme DJV, Hendrik Zörner, Pressesprecher

Sehr geehrter Herr Recht,

ich war auf Ihre Frage nur bei Twitter aufmerksam geworden und hatte lapidar geantwortet, dass es notwendig ist, von journalistischem Einkommen leben zu können. Aber zu Ihren Fragen bzw. Ihrer Kritik: Der DJV nimmt diejenigen Journalistinnen und Journalisten als Mitglieder auf, die hauptberuflich journalistisch tätig sind. Das lässt sich durch Einkommensnachweise belegen. Wegen der unterschiedlichen Höhe der Lebenshaltungskosten in Ost- und Westdeutschland setzen wir nicht eine generelle Einkommensuntergrenze. Unsere Landesverbände prüfen das individuell. Mit diesen Regelungen mögen Sie uns elitär finden, wie Sie schreiben. Wir hingegen wollen weiterhin die Interessenvertretung der hauptberuflich tätigen Journalistinnen und Journalisten sein.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage Stefan Recht auf Stellungnahme

Moin Moin,

ich habe ja speziell nach einer Untergrenze gefragt gehabt, kann ja durchaus auch Ost- und West aufgesplittet sein, weil bis jetzt weiß ich immer noch nicht wie viel ich verdienen müsste – ich frage deswegen so gezielt danach, weil ich z.B. trotz Einkommensnachweise abgelehnt wurde, von daher wäre hier eine angesetzte Untergrenze schon interessant, auch für zukünftige Antragsteller.

Weil sonst verstehe ich es eher so, als das der DJV willkürlich Mitglieder ablehnen kann, daher wiederhole ich meine Bitte und Frage nach einer Einkommensuntergrenze für die Mitgliedschaft beim DJV.

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards

Stefan Recht

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