So sieht die Realität in Gaming-Redaktionen aus

Hin und wieder erreichen uns Bewerbungen und viele Bewerber erhoffen sich bei uns eine Anstellung. Dabei wird komplett ignoriert das wir lediglich ein Gaming-Blog, komplett ohne Werbebanner sind und somit sich unsere Umsätze sehr überschaubar gestalten. Doch wie sieht die Realität in einer Gaming-Redaktion überhaupt aus? Ist es so das goldene vom Ei, wovon viele träumen?

Leider ist dem nicht so. Mit wenigen Ausnahmen hat man, im Besonderen im Onlinebereich, sehr kurze Abgabetermine und somit einen hohen Termindruck. Man muss immer als erstes eine News mit bestimmter Anzahl an Worten, entsprechender Ansprache und Satzbau veröffentlichen und davon am besten 8 oder mehr Nachrichten am Tag.

Die Last der täglichen Arbeit

Man erhält auch in den seltensten Fällen wirklich exklusive Informationen, außer man gehört zu den richtig großen werbegetragenen Plattformen, die sich, aufgrund ihrer Größe und Reichweite durch aktives bewerben in den Fokus rücken können. Aber auch diese Kosten müssen am Ende des Tages gedeckt werden und reich wird man als Redakteur im Gamingbereich in den seltensten Fällen.

Persönlich kenne ich einen Fall wo ein großes millionenschweres Unternehmen die Kosten für News reduzieren wollte und somit nur noch 4 EUR pro News mit 300 Wörtern gezahlt hat. Das sind 0,013 EUR pro Wort oder 1,3 Cent pro Wort. Wenn man halbwegs gut ist, dann braucht man pro News 15 – 20 Minuten, wo wir dann bei einem Einkommen von maximal 12 EUR bei freischaffender Tätigkeit wären.

Davon soll man sich dann noch versichern, die Einkommenssteuer bezahlen, Altersvorsorge betreiben und ab und an was essen möchte man ja auch. So bleibt am Ende, wenn man wirklich 8 Stunden pro Tag schreiben würde, weniger als der Mindestlohn übrig.

Man wird bestimmt ziemlich reich als Spiele-Redakteur!

Wenn die Einkünfte nicht so gut sind, dann gibt es doch andere Vorteile? Na ja, man erhält hin und wieder eine Musterkopie von Spielen, aber auch das hat sich reduziert. Wenn man zu schlecht über Spiele schreibt, dann bekommt man von einigen Firmen eben halt nix mehr, dann muss man sich die Spiele kaufen.

Man könnte nun argumentieren, dass das Einfluss auf die Ehrlichkeit von Reviews und News haben könnte, aber, als ich das Thema das letzte Mal in der Branche angesprochen habe wurde mir ja gleich vorgeworfen ich würde jeden der „Lügenpresse“ bezichtigen.

Natürlich kommen die Publisher um einige, große Medien nicht drum herum, aber bei kleineren Blogs oder YouTubern kann man sich diese dann häufig doch aussuchen und da wählt man als Unternehmen eben nur die die einem eher zugewandt sind – man hat ja keinen rostigen Nagel im Kopf und stellt sich selber ein Bein.

Also hat man, wenn man für ein Portal schreibt, welches auf Einkünfte angewiesen ist, durchaus einen gewissen Druck potentielle Werbepartner nicht zu verärgern. Auch wenn keine Firma offiziell so eine Arbeitsanweisung geben würde, so schwingt das doch irgendwo mit und man ist sich durchaus bewusst, dass das einzelne Handeln Auswirkungen auf die Anstellung oder das Unternehmen haben könnte.

Teamzusammenhalt… Aaaaaand it’s gone!

Wenn es schon nicht so rosig aussieht, dann gibt es doch wenigstens Kollegenzusammenhalt, oder? Könnte man vermuten, aber unterm Strich hat jeder Angst seinen Job zu verlieren, denn gute Arbeit reicht nicht mehr aus, diese muss optimiert werden und gewinnbringend an die Vorgesetzten verkauft werden.

Man muss permanent den eigenen Wert und die eigene Gehaltszahlung unter Nachweis stellen, als stünde man unter Generalverdacht sonst schlampige Leistung zu erbringen oder, wenn man kein kreatives Superhirn mit einer gewinnorientierten Idee ist, seine komplette Energie und Kreativität für den Job aufzubringen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, will ja auch niemand abstreiten. In der Regel ist die Stutenbissigkeit in der Branche aber doch sehr hoch und jeder ist nur auf seinen eigenen, persönlichen Vorteil bedacht. Mag vielleicht daran liegen das hauptsächlich Soziopathen in Führungspositionen landen und die Angestellten sich anpassen müssen.

2 Kommentare

  1. Da ist es doch garnicht so schlecht, wenn man sowas nur „nebenbei“ macht und sonst seine Einkünfte hat.
    Dann macht man das wirklich nur zum Spass und hat keinen ganz so großen Zeitdruck.
    Das spiegelt sich dann auch in den Artikeln wieder die man dann so schreibt.

    Als Hauptjob wäre das sicherlich nicht die erste Wahl.

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