Warum E-Sport (kein) Sport ist

Ich befasse mich mit der Diskussion um die Prämien bei Olympia und im eSport-Bereich. Was ist eSport und wodurch unterscheidet es sich zu Sport?

Als in den Anfangstagen der diesjährigen Olympiade in Rio die Medaillen für deutsche Sportler auf sich warten ließen, sorgte die Äußerung von Ex-Schwimmer Markus Deibler für Aufsehen, als er twitterte: „In einem Land, in dem ein Olympiasieger 20.000 € Prämie bekommt und ein Dschungelkönig 150.000 €, sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern.“ Recht hat der Mann. Richtig abstrus wird es aber, wenn ein Sport, in dem es Preisgelder in Millionenhöhe zu gewinnen gibt, aufgrund antiquiierter Definitionen nicht als Sport angesehen wird. Vor genau diesem Problem steht der E-Sport.

Was ist Sport?

Gaming ist längst Volkssport: Seiten wie Spielen ProSiebengames.de stellen eine schier unüberschaubare Anzahl an Games bereit. Moderne Triple-A-Spiele verschlingen höhere Produktionskosten als so mancher Hollywood-Blockbuster. Und Millionen Amateure messen sich beim Online-Gaming mit Gegnern aus der ganzen Welt, sei es im inoffiziellen Rahmen oder über die Electronic Sports League ESL. Profispieler haben treue Fans, die mit ihren Idolen mitfiebern. Beispiel gefällig? Zum League of Legends-Weltmeisterschaftsfinale kamen 13.000 Zuschauer in die ausverkaufte Berliner Mercedes-Benz Arena, gespielt wurde um insgesamt ca. 2,5 Millionen US-Dollar Preisgeld.

Dennoch wird E-Sport nicht im rechtlichen Sinne als Sport anerkannt. Warum das wichtig ist? Nur anerkannte Sportarten können steuerrechtlich gefördert werden. Und nur wer als ausländischer Sportler eine „richtige“ Sportart ausübt, kann ein Sportlervisum beantragen, das zum Aufenthalt in Deutschland berechtigt. In Zeiten, in denen selbst Fußball-Traditionsvereine wie Schalke 04 eine eigene E-Sport-Abteilung unterhalten, ist es offensichtlich, dass E-Sport in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist – und Spielern aus aller Welt die Möglichkeit gegeben werden muss, in Deutschland zu spielen.

Warum ist E-Sport also kein Sport? Die Kriterien dafür, was Sport ist und was nicht, legt in Deutschland der Deutsche Olympische Sportbund DSOB in seiner Aufnahmeordnung fest. So muss eine Sportart laut dieser eine „eigene, sportartbestimmende Aktivität“ enthalten, es muss „die Einhaltung ethischer Werte wie Fairplay und Chancengleichheit“ gewährleistet sein, zudem werden gewisse Verbandsstrukturen gefordert. Laut dem DSOB erfüllt E-Sport keine dieser Voraussetzungen, ein von der Berliner Piratenpartei in Auftrag gegebenes Gutachten kam zum gleichen Ergebnis.

Videospiele sind Sport böse

Ein aus der Gamerperspektive höchst fragwürdiges Resultat. Wo sonst muss man per Maus, Tastatur, Controller oder Gamepad virtuelle Figuren steuern und dabei gegebenenfalls noch per Chat oder Headset mit Teammitgliedern Taktiken besprechen? Ohne Fairplay und Chancengleichheit gäbe es wohl kaum derart hohe Preisgelder zu gewinnen. Verbandsstrukturen? Okay, die gibt es nicht im gleichen Maße wie etwa im Fußball. Braucht man aber auch nicht. Studien, die E-Sportlern ähnliche Leistungen zusprechen wie herkömmlichen Athleten, scheinen die Entscheidungsträger ebenfalls nicht zu interessieren.

Hier zeigt sich, dass die Verantwortlichen an verstaubten Definitionen festhalten, die nicht mehr in die heutige Zeit passen. Anstatt auf die Gaming-Community zuzugehen und Videospiele auch offiziell gesellschaftsfähig zu machen, wird jüngst die längst totgeglaubte, unsägliche Killerspieldebatte wieder hervorgekramt, diesmal als Reaktion auf den Amoklauf in München im Juli.

Bis E-Sport als „richtiger“ Sport anerkannt wird, wird wohl hierzulande noch einige Zeit vergehen. Länder wie Großbritannien, China oder Südkorea sind uns in dieser Hinsicht weit voraus.

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