Review: Gears 5 – Gegen die Horde!

Gears of War, nicht nur ein langlebiges Franchise, sondern auch eines der Zugpferde des Xbox-Lagers. Obwohl gerade in Deutschland aufgrund der Indizierung die Geburt der Reihe etwas untergegangen ist, bleibt Marcus Fenix den meisten ein Begriff. Inzwischen ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen, das Universum wurde stetig erweitert und die letzten Ableger der Reihe fanden problemlos auch ihren Release in Deutschland. Mit Gears 5 geht diese Geschichte in die nächste Runde. Und eines vorweg, diese Runde hat es gewaltig in sich!

Kampagne

Die Erzählung knüpft zwar direkt an die Ereignisse des Vorgängers an, netterweise holt ein „Was bisher geschah“-Video die Spielerschaft auch direkt ab. Zusätzlich lässt sich über das Hauptmenü ein weiteres Video abspielen, welches einen etwas tiefer in den Lore und die Spielwelt einblicken lässt. Es ist also nicht zwangsläufig notwendig die Vorgänger zu spielen, aber durchaus empfehlenswert.

Wie auch seine Vorgänger greift Gears 5 auf die altbewährte Struktur von Akten und Kapiteln zurück. Die vier Hauptakte mit jeweils mehreren Kapiteln fallen dabei etwas länger aus als sonst. Ein direkter Kampagnendurchlauf ohne Nebeninhalte und einem adequaten Schwierigkeitsgrad nimmt etwa 10 Stunden in Anspruch. Mit dem Nebeninhalt erreicht die Spielzeit gut und gerne die 15 Stunden an Spielzeit.

Jack, die Maschine für alles

Apropos Nebeninhalt, dieser fällt diesmal üppiger aus als sonst und ist für einen Shooter auch überdurchschnittlich attraktiv. Selbstverständlich existiert das übliche Sammelsurium von Berichten, Notizen, Büchern und COG Tags (das Äquivalent zu Hundemarken im Gears-Universum), aber diesmal auch Komponenten und Bauteile, die das Spielerlebnis stark beeinflussen können. Diese optionalen Sammelgegenstände werden genutzt um euer Roboterhelferlein Jack, der sogar ein spielbarer Charakter ist, mit Upgrades oder neuen Fähigkeiten auszustatten. Skills wie Blenden, Heilen, Schild oder Unsichtbarkeit öffnen nicht nur eine weitere taktische Ebene im Kampf, sondern sind gerade in höheren Schwierigkeitsgraden essentiell. Gears 5 gibt damit einen Anreiz die neuen Semi-Open-Worlds in Akt 2 und 3 genauer zu erforschen.

Sera in absoluter Pracht

The Coalition entwickelt insbesondere in Gears 5 trotz der absoluten Zerstörung im Laufe der Kampagne dennoch das schönste Sera in der Geschichte des Franchises. Umgebung, Charaktere und Feinde erreichen eine Detailtiefe, die einem wirklich näher an den fiktiven Planeten bringen. Insbesondere auf der Xbox One X mit einer nativen Auflösung von 4k UND 60fps kann das Spiel optisch begeistern. Charaktere erhalten eine emotionale Reife und Autonomie, die deren Handlung glaubhaft wiederspiegelt. Als Spieler verspürt man intensiv die steigende Verzweiflung gegen die Übermacht aus dem Untergrund. Die Story, dessen Inhalt wir natürlich in keinster Weise wiedergeben möchte, liefert aber eine sehr persönliche Geschichte inmitten dieses Kriegschaos (ein Umstand der bereits auch den Trailern zu entnehmen gewesen ist). So viel sei gesagt, eine erstaunlich emotional bewegende als auch durchgehend spannende Kampagne schafft es den Spieler konstant in seinen Bann zu halten.

Die Kampagne ist dabei auch im Coop spielbar, sowohl via Splitscreen als auch online für bis zu drei Spieler, insbesondere Cross-Platform. Wer von der Kampagne genug hat, dem werden im Anschluss auch noch einige Multiplayer-Optionen geboten.

Multiplayer – Versus

Selbstverständlich kommt Gears 5 mit einem klassischen Versus-Mode. Der Spielstil ist sicherlich für einige etwas gewöhnungsbedürftig, wird hier schließlich in einem ganz anderen Tempo gespielt als in beispielsweise einem Call of Duty. Gerade die an den Waffen montierten Kettensägen oder Bajonette werden hier als Instant-Kill Methoden häufig zur Geltung kommen und verleihen dem Nahkampf einen deutlich höheren Stellenwert als in anderen Videospielen. Cross-Play wird zwar unterstützt, aber wer im Ranked Mode nicht gegen die PC-Spieler antreten möchte (dank Maussteuerung offensichtlich im Vorteil), der kann dies jederzeit deaktivieren. Der Versus-Mode enthält zum Release unter anderem Team Deathmatch, einen Eroberungsmodus, einen PvE sowie einige Variationen dieser Klassiker. Die spielbaren Charaktere kommen dabei mit eigenen Fähigkeiten (aktiv und passiv), sowie festgesetzten Waffensetup. Unerwartet, aber durchaus interessant wirkt sich dieses MOBA-Element auf den Multiplayer und seine Langlebigkeit aus, insbesondere da jeder Charakter seinen eigenen Levelfortschritt besitzt. Für kooperatives Spielen anstelle der kompetitiven Herausforderung werden einem zwei Alternativen geboten.

Multiplayer – Horde

Der Horde-Modus ist ein altbekannter, aber sehr beliebter, Bestandteil der Gears-Reihe. Das Spielprinzip ist dabei sehr simpel: Kämpfe in einem mittelgroßem, abgeschlossenen Areal gegen 50, in Schwierigkeit steigenden, Wellen an Feinden.
Gears 5 erweitert zwar dieses Prinzip an seinen Ecken und Kanten, aber behält diesen simplen Kern bei. Analog zum Vorgänger gibt es einen Fabricator, bei dem es möglich ist mit den erkämpften Punkten Barrikaden, Geschütze, Waffen und andere hilfreiche Objekte zu erwerben. Die verfügbaren Objekte hängen wiederum vom gewählten Charakter ab, die, wie auch schon im Versus-Mode, mit eigenen Fähigkeiten ausgestattet sind. Jede zehnte Runde gilt zudem als Bossrunde, die mit einem besonders fiesen Feind aufwartet und im Anschluss einen neuen Schwierigkeitsfaktor aktiviert. Dabei handelt es sich, neben der steigenden Gegneranzahl, um eine sehr offensichtliche Erschwerung. Bezwingt man die zehnte Runde, so gilt ab diesem Moment „2xEnemy Health“. Ein kompletter Durchgang auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad nimmt auf diese Weise beinahe zwei Stunden in Anspruch. Spielbar ist das Ganze für bis zu fünf Spieler.

Multiplayer – Escape

Der einzige vollständig neue Spielmodus Escape bietet einen etwas anderen Ansatz für kooperatives Spielen. Eine Gruppe von Gears lässt sich hier absichtlich in das Zentrum eines Schwarm-Nests verschleppen, um dann eine Giftgasbombe zu zünden und flüchten. Als Spieler startet ihr also tief hinter feindlichen Linien, zunächst nur mit einer Sekundärwaffe, und musst euch durch feindliche Linien bis zur Freiheit durchkämpfen. Während eurer rasanten Flucht weitet sich das Giftgas kontinuierlich aus, sodass ihr konstant unter Zeitdruck steht. Für den zusätzlichen Nervenkitzel stehen eine Reihe von Multiplikatoren zur Verfügung. Die verleihen zwar Zeitboni, erschweren aber auch die Flucht. Gerade mit zwei Freunden wartet hier erstaunlich viel Spaß-, aber auch Frustpotenzial auf. Escape bekommt durch einen Editor außerdem mehr Langlebigkeit, denn durch selbstgebaute oder Community-Maps gibt es hier schier unendliche Möglichkeiten. Der Spielmodus reiht sich also elegant in das bisherige Sortiment des Franchises ein.

Fazit

Gears 5 macht beinahe alles richtig und verleiht endlich auch dem Xbox-Lager einen Punkt in der Kategorie Exklusivtitel. Die prachtvolle Inszenierung, die Möglichkeiten für kompetitives als auch kooperatives Spielen und die zahlreichen Anpassungen an allen Ecken und Enden garantieren eine gelungene Spielerfahrung. Ein Knackpunkt waren die auftretenden Server-Probleme zum Release, welche die Spielersuche erschwert hat. Inzwischen läuft aber auch das Networking rund. Ein Live-Service-Modell ist mit Tour of Duty zwar ebenfalls enthalten, aber bisher ist Gears 5 nicht durch manipulative oder gar Pay2Win Mikrotransaktionen auffällig geworden. Wer seinen Spaß an Shootern hat, oder sogar an der brachialen Action sich erfreut, der wird mit Gears 5 mehr als auf seine Kosten kommen.

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